Business Behaviour
Schiff ahoi? Lassen Sie’s lieber

Manche Gastgeber kennen diese alte Regel nicht: Der Köder soll dem Fisch schmecken, nicht dem Angler. Oder sie kennen sie zwar, vergessen sie aber vor lauter Freude und Stolz über ihren Ehrentag. Zu den Risiken zählen Einladungen zu Schiffsfahrten, Golfturnieren und Fahrradtouren.

Endlich sehen sie ihren Tag gekommen, an dem sie den Gästen etwas ganz Besonderes bieten wollen. Nur leider ist das Beste aus ihrer Sicht nicht unbedingt das Beste für alle anderen. So luden mich schon ambitionierte Golfspieler zum Golfturnier ein und ich konnte - wie ein paar andere Gäste auch - keine Platzreife bieten. Mir blieb nur, aus Höflichkeit anzubieten, den Caddy zu spielen. Was auch nicht gerade mein Vergnügen an der Veranstaltung hob.

Auch eine Fahrradtour bedeutet nicht nur für den eine Qual, der Heuschnupfen hat und im Mai radeln soll. Oder eine Museumsnacht oder ein Opernbesuch, wenn man kein Fan von Kunst oder Arien ist.

Zu den Risiken zählen jedenfalls Einladungen zu Schiffsfahrten. Mietet eine Firma ein Boot, um das Firmenjubiläum mit Freunden sowie Mitarbeitern und deren Familien mit einer Schiffsfahrt zu begehen, spricht meist mehr dagegen als dafür. Als Erstes gibt es immer Menschen, die seekrank werden, denen mehr oder weniger schnell mulmig wird oder gar Schlimmeres - und die am liebsten den festen Boden nicht verlassen.

Oder Klaustrophobiker, die sich eingesperrt fühlen. Die haben beim Absagen dieses Festes schon als Erstes Seelennöte - denn wer gibt das schon gerne zu? Als Nächstes besteht auch noch das Risiko, dass jemand über Bord geht. Das ist gar nicht so abwegig. Vor allem, wenn manche ihre Kinder mitbringen dürfen. Dann sind die Gäste ununterbrochen damit beschäftigt, aufzupassen wie ein Luchs, dass keiner über die Reling geht - und haben nichts mehr von der Party. Sind die Kinder dagegen nicht geladen, haben die Eltern den ganzen Abend Sorge, da der Babysitter sie zwar erreichen kann, ein Nach-Hause-Kommen aber nicht möglich ist.

Der andere Punkt, der Gästen oft die Schiffstour verleidet, ist: Keiner kann einfach gehen, wann er möchte. Und hin und wieder vermutet man, dass mancher Gastgeber genau das ganz toll findet und es geradezu darauf anlegt - und das dann auch noch augenzwinkernd zugibt. Ich habe schon schöne Schiffstouren erlebt - die nur leider nicht wie angekündigt gegen 23 Uhr endeten. Stattdessen kam das Boot erst um 1.30 Uhr zurück an die Anlegestelle. Mitten in der Woche. Mein Tipp: Wenn es schon das Ambiente eines Schiffs sein soll, dann sollte es im Hafen bleiben. Dann kann jeder kommen und gehen, wann er mag.

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