Business Behaviour
Servietten sind kein Paradekissen

Warum Sie zur Not mit dem Gast in den Fettnapf springen müssen Möchten auch Sie eine Benimm-Frage geklärt haben? Schreiben Sie Gabriele Schlegel! Fragen und Antworten dokumentieren wir  hier .

Die Gretchenfrage: Sind Sie bereit, aus der Fingerschale mit Wasser und Zitronenscheibe zu trinken? Einem Gast zuliebe? Denn nur dann sind Sie ein wirklich guter Gastgeber. Es gibt nämlich immer noch genügend Menschen, die ins Rätseln ob dieser kleinen Schale verfallen. Die sie nicht als Signal dafür erkennen, dass sie den nächsten Gang mit den Fingern essen dürfen. Stattdessen nippen sie daran - und unangenehme Gäste rüffeln die armen Ahnungslosen noch oder ziehen missbilligend - aber gut sichtbar für alle anderen - die Augenbrauen hoch.

Dann nämlich kommt der gute Gastgeber zum Einsatz: Er trinkt einfach mit, ganz ruhig und selbstverständlich. Die - absolut oberste - Grundregel heißt: Alle Gäste müssen sich wohl fühlen. Und das ist gar nicht einmal so einfach. Egal, welchen vermeintlichen Fehler Ihr Gast macht: Ignorieren Sie den Fehler. Geht dies nicht, müssen Sie zur höchsten Stufe der Höflichkeit übergehen - und denselben Fehler auch machen. Siehe oben.

Oberste Priorität ist es, niemanden in peinliche Situationen zu bringen. Manchmal reicht schon ein Blick, den sich Gäste viel sagend zuwerfen. Etwa wenn ein Amerikaner beim Essen eine Hand - so wie es die US-Etikette gebietet - unter dem Tisch lässt.

Für Unsicherheiten am Tisch gibt es endlose Möglichkeiten: Schon die Serviette bereitet manchem Probleme: Wohin mit dem riesigen Teil? Die edlen Stoffservietten sind immerhin 55 mal 55 Zentimeter groß. Sie gehört beim Decken links neben dem Teller. Der Gast sollte sie auf den Schoß legen, direkt nach dem Setzen, und da bleibt sie während des gesamten Essens. Wie viele Leute ihre Servietten wie Paradekissen schonen und nicht nur unberührt, sondern gleich auf dem Tisch lassen, erstaunt mich immer wieder. Papierservietten sind unpassend und nur für Grillabende, Betriebsausflüge oder Stehempfänge da. In Italien gibt es Stoffservietten auch in einfachen Restaurants, und sie stehen als Posten auf der Rechnung.

Damen jedenfalls sollten ihre Stoffserviette zu einem Rechteck gefaltet auf ihren Schoss, mit der offenen Seite zu sich hin legen. Damit die Lippen mit der Innenseite abgetupft werden können und keine rot verschmierten Servietten sichtbar auf dem Schoß liegen.

Apropos: Zum Thema Lippenstift taucht immer wieder die Frage auf: Ist Nachschminken am Tisch erlaubt? Ich meine: Nein. Ebenso wenig wie Pulen in den Zähnen mit Zahnstochern. Sie gehören auf die Toilette. Schließlich würde auch kein Mann am Tisch seine Nasenhaare schneiden.

Darf ich in Meetings mein Gegenüber unterbrechen? Wen muss ich im Mailverkehr auf "cc" setzen, wenn ich ein neues Projekt angehe? Unsere Business-Behaviour-Expertin Gabriele Schlegel antwortet auf Ihre ganz persönlichen Fragen und gibt Tipps - schreiben Sie ihr:  hb.behaviour@vhb.de.

Die Fragen und Antworten sind nachzulesen unter  www.handelsblatt.com/behaviour.

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