Business Behaviour
Sie Söldnerseele!

Wie Firmen und ihre Leute mit Anstand auseinander gehen Möchten auch Sie eine Benimm-Frage geklärt haben? Schreiben Sie Gabriele Schlegel! Fragen und Antworten dokumentieren wir  hier .

Es gibt Tage, da schleichen selbst die kommunikativsten Chefs mit hängenden Schultern und in sich gekehrt über die Gänge - und schauen kaum jemandem in die Augen. Etwa wenn sie eine Anzahl von Mitarbeitern entlassen müssen, aus Kostengründen. Oder solche Tage, an denen es anders herum geht und ein Kollege kündigt. So ein Tag, an dem ein gestandener Manager sich im Aufzug dazu hinreißen lässt, dem abtrünnigen Mitarbeiter ein verächtliches "Sie Söldnerseele" entgegen zu schnauben. Mit der Enttäuschung des Verlassenen. Die Emotionen schlagen immer irgendwie hoch, wenn sich Unternehmen von Mitarbeitern trennen oder umgekehrt: Der verlassene Vorgesetzte ist oft ebenso beleidigt oder bestürzt wie ein gekündigter Mitarbeiter. Doch auch Manager sollten bedenken, dass man sich immer zweimal sieht und zum anderen von den Kollegen beobachtet wird - und durch ihr Verhalten Signale senden. Contenance ist angesagt, professionelle Freundlichkeit ein Muss.

Kündigende Vorgesetzte haben die Pflicht, bevor sie diese unangenehme Botschaft überbringen, sich zu informieren: wie es um die privaten Verhältnisse des Betroffenen bestellt ist. Dem Mitarbeiter in dieser Lage Respekt zu erweisen ist das A und O. Und: Es muss genug Zeit sein, eine halbe Stunde unter vier Augen muss sein. Egal wie emotional der Betroffene in dieser Ausnahmesituation wird, eine Führungskraft muss ruhig bleiben und Entgleisungen aushalten - um sie rasch zu vergessen.

Ich erlebte in den USA, wie ein Lehrer an der deutschen Schule auf seinem Anrufbeantworter anhören musste, dass sein Vertrag nicht verlängert werde. Oder dass ein Abteilungsleiter eines Hamburger Unternehmens, der gerade aus dem Urlaub zurück kam, am Schwarzen Brett die Ausschreibung seiner eigenen Stelle lesen musste - weil der Nachfolger schon fest stand. Gesagt hatte ihm das keiner. Entweder hätte der Aushang noch warten oder man hätte ihn abfangen müssen.

Völlig unpassend verhielt sich auch der Personalchef, der einem langjährigen Vorarbeiter zum Dienstjubiläum auf eine Tasse Kaffee in sein Büro lud - und dann auch gleich den Vorruhestand anbot. Das ist einfach unfair, weil der Mann damit nicht rechnen konnte. Auch wenn die äußere Form vielleicht höflich war, es bleibt eine Überrumpelung.

Die einfachste Anstandsregel ist in all diesen Fällen immer noch die, über die der Ex-Boing-CEO Fred Stahl in seinem Buch über Führung schrieb: Man soll jeden Menschen so behandeln, wie man selbst behandelt werden will.

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