Business Behaviour
Sieht Ihr Chef aus wie Columbo?

Der optische Eindruck kann das Können noch so guter Experten überlagern. Diese Sorge plagt auch einen Handelsblatt-Leser, der für eine Fonds-Gesellschaft arbeitet: Sein Chef sei fachlich exzellent, doch bei Fernseh-Auftritten ähnele er einem drittklassigen Privatdetektiv. Höchste Zeit, dem Betroffenen - mit Takt - den Spiegel vorzuhalten.

Kennen Sie auch den Kollegen oder gar den Vorgesetzten, der die Chuzpe - oder Unbedarftheit - hat, im arg farbenfrohen Jackett zum Kundentermin zu marschieren? Weil doch gegen ein wenig Farbe kaum etwas einzuwenden sei. Und weil es doch sowieso nur auf sein Können ankommt. Meint er. Dumm nur, dass der optische Eindruck durchaus das Können noch so guter Experten überlagern kann. Diese Sorge plagt zum Beispiel einen Handelsblatt-Leser, der für eine Fonds-Gesellschaft arbeitet: Sein Chef sei fachlich exzellent, doch bei einem Fernseh-Auftritte ähnele er eher einem drittklassigen Privatdetektiv. Und was er tun könne, wollte er wissen. Vor allem wenn sich Kunden oder andere mokieren, ist es höchste Zeit, den Betroffenen zu warnen und ihm - mit aller Vorsicht und Takt - den Spiegel vorzuhalten.

Unter vier Augen und vorausschickend, dass es in wohlmeinender Absicht geschieht. Nur, wer soll es machen? Ich tendiere zu dem dienstältesten Mitarbeiter oder, falls es mal nicht die optimale Lösung ist, demjenigen, der am meisten Vertrauen genießt.

Herrscht in der Firma ein kommunikativer Arbeitsstil, darf es auch ein wohlmeinender Kollege oder Mitarbeiter wagen. Wichtig ist, zu Gesprächsbeginn dem Betroffenen klar zu machen: "Ich bin immer wieder von Ihrer Arbeit und Ihren Fähigkeiten beeindruckt. Weil ich mit Ihnen und unserem Unternehmen verbunden bin, möchte ich ehrlich sein und mein Gefühl zum Ausdruck bringen, dass Sie Ihr Wissen mit etwas konservativer Kleidung auch optisch perfekter unterstreichen. Ich möchte Sie darauf aufmerksam machen, weil ich Sie seit Jahren schätze."

Ich gebe zu, dass so ein Unterfangen nicht risikolos ist und die Worte gut gewählt sein müssen. Auf dem politischen Parkett erlebte ich einmal, wie so ein gut gemeinter Rat fatale Wirkung hatte. Ein persönlicher Referent eines Ministers hatte seinen Chef darauf hingewiesen, dass er gerade bei TV-Auftritten besser Kniestrümpfe tragen sollte - statt kurzer Socken, die seine behaarten Waden entblößten. Der arme Mann musste seinen Hut nehmen. Allein wegen dieses gut gemeinten Vorstoßes. Er wurde schlicht missverstanden.

Nur im letzten Notfall aber sollte ein Mitarbeiter eine Hierarchiestufe überspringen und sich gleich an den Vorgesetzten des Betroffenen wenden. Denn die muss einfach reagieren, sich des Problems annehmen und es lösen.

Redaktion: Claudia Tödtmann

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