Business Behaviour
Sitzfleisch beweisen ist tabu

Pünktlich zu gehen, ist in USA ein Akt der Höflichkeit Möchten auch Sie eine Benimm-Frage geklärt haben? Schreiben Sie Gabriele Schlegel! Fragen und Antworten dokumentieren wir  hier .

Wenn Sie jemals im Weißen Haus in Washington eingeladen sind, sollten Sie eins tun: Seien Sie superpünktlich. Wer nur fünf Minuten zu spät kommt - so habe ich es mal erlebt, als ein deutscher Politiker dort geehrt wurde - lässt Sie der Wachmann nicht mehr hinein.

Schade eigentlich, dass der traditionelle Hinweis, auf Einladungen dazu zu schreiben "s.t.", also sine tempore und pünktlich auf die Minute beziehungsweise "c.t.", als cum tempore und mit einer Karenzzeit von 15 Minuten, immer seltener vorkommt. Als Grundregel dürfte dies helfen: Je kleiner der Kreis und je offizieller der Anlass, umso pünktlicher.

Anders ist es natürlich bei Geschäftsterminen, womöglich auswärtigen. Verspätungen durch Staus oder öffentliche Verkehrsmittel ergeben sich schnell. 15 Minuten eher abzufahren als die voraussichtliche Fahrzeit dauert, ist ein Akt professioneller Höflichkeit. Wer aufgehalten wird, sollte aber zumindest kurz seinem Gastgeber Bescheid geben - und wenn es per SMS geschieht. Dies ist übrigens eins der höflichsten Mittel im Umgang: Sie stört nicht, ist diskret und man kann sie lesen und beantworten, wann man will.

Wenn keiner nur auf Sie persönlich wartet, weil ohnehin über hundert Gäste geladen sind wie bei einem Empfang oder einem Ball, dürfen Sie beruhigt bis zu 30 Minuten zu spät kommen. Das Verlassen der Veranstaltung ist ebenso flexibel machbar: Es reicht - als Acte de Présance - sich eine halbe Stunde zu zeigen. Dann hat man als Firmenvertreter die nötigen Avancen gemacht. Der Höflichkeit ist genüge getan, dann darf er gehen.

Wer zu spät kommt zu einem Essen, der sollte unbedingt beim Ankommen diese Regel beherzigen: Der Gastgeber verdient noch eine kurze Erklärung, aber bitte keinen langatmigen Vorreden für die anderen Gäste, während der Braten in der Küche noch trockener wird.

Was nicht geht: Ist ein Endpunkt angegeben, darf man kein Sitzfleisch beweisen. Das ist eine deutsche Attitüde, nett und gemütlich - nur leider unangebracht. Amerikaner dagegen folgen der Regel, 15 Minuten nach dem letzten Gang eines Geschäfts-Dinners oder-Lunch aufzubrechen.

Enorm wichtig ist das Thema Pünktlichkeit für Asiaten und ist unter einem anderen Aspekt zu sehen: Muss er warten, empfindet er dies als Gesichtsverlust und meint, dem anderen nicht vertrauen zu können. Die Folgen können fatal sein und gehen bis zum Abbruch der Geschäftsbeziehung. Dann hilft nur noch eine dritte Vertrauensperson, die vermittelt.

Darf ich in Meetings mein Gegenüber unterbrechen? Wen muss ich im Mailverkehr auf "cc" setzen, wenn ich ein neues Projekt angehe? Unsere Business-Behaviour-Expertin Gabriele Schlegel antwortet auf Ihre ganz persönlichen Fragen und gibt Tipps - schreiben Sie ihr:  hb.behaviour@vhb.de.

Die Fragen und Antworten können Sie  hier nachlesen.

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