Business Behaviour
Spione im Büro

Ob vertrauliche Mails, geheime Projekte oder private Telefonate - wer in das Büro eines anderen geht, hat die Pflicht, Regeln einzuhalten. Im Großraumbüro ist es zwar schwieriger, Grenzen zu beachten, die allenfalls virtuelle sind - aber dort ist es umso wichtiger.

Kennen Sie diese ungenierten, neugierigen Blicke auf den Bildschirm Ihres PCs? Sie bearbeiten Ihre Mails, schreiben gar etwas Vertrauliches und jemand tritt an Ihren Schreibtisch und macht einen langen Hals. Oder Sie schauen tatsächlich gemeinsam auf den Bildschirm und plötzlich - pling - erscheint die kleine Anzeige im Bildschirm, wer Ihnen denn gerade eine Mail mit welchem Betreff schickt. Hochinteressant womöglich, und nicht nur für Sie. Da werden Kontakte publik oder gar noch-geheime Projekte. Gibt dann der Neugierige Kommentare ab - passende oder unpassende -, die den nötigen Respekt und Distanz vermissen lassen, wird es inakzeptabel. Es sind massive Übergriffe und die Ausgekundschafteten fühlen sich im eigenen Büro ihrer Gastgeberfunktion beraubt. Für den eigenen Schreibtisch im Großraumbüro gilt nichts Anderes. Nur: Höfliche Leute sind dabei oft überfordert und reagieren viel zu sanftmütig, um Eklats zu vermeiden.

Zum Beispiel der Chefjurist eines Automobilkonzerns. Er telefonierte am späteren Abend, als seine Tür offen stand zum Vorzimmer hin. Weil er mit dem Gesicht zum Fenster stand, selbst sprach und die Sekretärin weg war, bemerkte er nicht, wie ein Vorstandsassistent ins Vorzimmer gekommen war und etliche Minuten lang das Telefonat mitanhörte. Eins, dessen Inhalt eben nicht für die ganze Firma gedacht war. Betreten schweigen wäre jetzt das falsche Signal. Solche Grenzverletzungen sollte man ad hoc thematisieren: "Dies ist mein Büro, und ich möchte ein deutliches Anklopfen hören, bevor jemand eintritt." Oder: "In meinem Büro möchte ich keine Besucher hinter meinem Schreibtisch sehen. Dieses Verhalten stört mich massiv, und ich möchte das nicht noch einmal erleben." Auch eine Entschuldigung und der Einwand, dass man sich "nichts dabei gedacht" habe, braucht man nicht akzeptieren.

Wer in das Büro eines anderen geht, hat die Pflicht, Regeln einzuhalten. Im Großraumbüro ist es zwar schwieriger, Grenzen zu beachten, die allenfalls virtuelle sind - aber dort es ist umso wichtiger. Detaillierte Verhaltensregeln sind hier erforderlich, angepasst an die Unternehmensphilosophie und vor allem mit unmissverständlichen Vorgaben. Ziele verkünden ist kein Äquivalent, denn hier ist für persönliche Interpretationen allzu viel Raum. Etwa: Die Schreibtische und PCs von Kollegen sind tabu. An sie heranzutreten ist nur im Einverständnis, nach Aufforderung erlaubt. Ansonsten gilt der Mindestabstand von einem halben Meter. Ebenso wichtig: Persönliche Angewohnheiten oder Marotten von Kollegen zu tolerieren - so lange sie die anderen nicht wirklich bei der Arbeit stören.

Redaktion: Claudia Tödtmann

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