Business Behaviour
Sprengsatz Wein

Wenn der Gast wählt, kann’s teuer werden. Möchten auch Sie eine Benimm-Frage geklärt haben? Schreiben Sie Gabriele Schlegel! Fragen und Antworten dokumentieren wir  hier .

Das Thema Wein im Restaurant ist ein wahrer Sprengsatz. Die Grundregel ist einfach: Ein offener Wein ist bei einer Abend-Einladung tabu. Soviel Stil muss schon sein.

Doch dann bricht für viele gestandene Manager das große Rätselraten an, so wie ich es kürzlich in einer Runde mit Bankern in einem Top-Restaurant erlebte. Die Herren der Gastgeber-Riege schauten sich gegenseitig Hilfe suchend an, bis - und das war angemessen und richtig - die einzige Dame in der Runde die Situation rettete und fragte, "Ist es Ihnen recht, wenn ich aussuche? Wein ist mein Hobby." Sie durfte, aber nur auf Grund der erkennbaren Verzweiflung. Als Gast darf man nicht ohne weiteres zur Weinauswahl schreiten.

Wer kein Weinkenner ist, kann ja vorher den Weinkellner zum Menü den passenden Tropfen aussuchen lassen - und ihm ein Preislimit vorgeben. Warnen kann ich nur vor einem: Bitten Sie, wenn Ihr Preisrahmen limitiert ist, nie den Gast um die Weinauswahl. Sonst geht es Ihnen wie dem Unternehmer, der unversehens den eingeladenen Wein-Kritiker August F. Winkler herausforderte: Der orderte - mit bestem Gewissen - eine 300-Euro-Flasche, von dem für acht Leute schnell viel mehr auf den Tisch musste. Der Gastgeber wurde blass, aber ihm blieb nur eins: Contenance zu wahren.

Trinken Sie als Gastgeber selbst keinen Wein, vergewissern sie sich, dass der Weinkellner jede Flasche probiert. Sonst trinken die Gäste womöglich korkigen Wein - und Sie bekommen es nicht mit.

Ganz diskret muss das Bezahlen laufen, am Tisch darf es nie passieren. Nicht mal in Sichtweite. Am besten regeln Sie es vorher und lassen die Rechnung in Ihre Firma schicken. Worin viele Gastgeber leider immer saumseliger werden, sind ihre Pflichten in puncto Logistik: Sie müssen dafür sorgen, dass der Gast weder Park- noch Garderobengebühr zahlt.

Was so harmlos klingt, kann die gruseligsten Szenen bewirken. Bis hin zur nächtens allein herumirrenden Dame, die Münzgeld wechseln will. Die Lage bleibt im Gedächtnis. Der Einladende sollte auf seine Kosten Taxen bestellen oder jüngere Mitarbeiter die Gäste nach Hause bringen lassen. Übel wie dies sind häufig: Weinselig der Geschäftsfrau erklären, dass der Taxistand gleich um die Ecke ist, nur zwei Minuten zu Fuß weg - wo dann natürlich keins steht und die Dame sich stattdessen alleine im Dunklen wieder findet. Oder wie meine Freundin in Washington auf der Mall nachts zwischen lagernden Pennern. Ich darf Ihnen versichern, einen bis dahin gelungenen Abend überschattet diese Idee von Emanzipation eindeutig.

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