Business Behaviour
Totschweigen rächt sich – eines Tages

Es gibt Situationen, in denen Mitarbeiter besonders empfindlich sind. In denen sie die unpassenden Reaktionen anderer besonders verübeln und nie vergessen. Firmen, die eine Unternehmenskultur proklamieren, müssen für solche Krisenfälle Einsatzpläne haben. Damit gute Leute nicht innerlich kündigen.

Der IT-Abteilungsleiter konnte seiner Firma nicht verzeihen. Den Tsunami hatte er nur knapp überlebt, verletzt und mit einem schweren Schock. Sie waren zu viert in den Urlaub gestartet und zu dritt wiedergekommen, sein Freund war ertrunken. Doch seine Firma, eine Hotelkette, hatte sehr ungeschickt reagiert: Sie schickten ihm zwar einen Blumenstrauß ans Krankenbett. Doch die Karte hatte eine Sekretärin geschrieben - nicht sein Vorgesetzter oder der Inhaber selbst -, und die war auch noch falsch adressiert gewesen. An ihn und seine Frau, obwohl er gar nicht verheiratet war. Es kam noch besser: Als er zurückkehrte in die Firma, hatte kein Chef ein persönliches Wort des Bedauerns oder der Anteilnahme für ihn übrig. Nicht einer fragte nach, was er erlebt hatte, niemand nahm ihn einfach mal in den Arm. Die Konsequenzen zog er jetzt - zwei Jahre später - und verließ die Firma endgültig.

Dieser Vorfall war für den IT-Profi der Auslöser, sich eine neue Stelle zu suchen. Das hatte genügt. Einfach, weil es Situationen gibt, in denen Mitarbeiter typischerweise besonders empfindlich sind. In denen sie die unpassenden Reaktionen anderer besonders verübeln - jahrelang - und nie vergessen. Sie werden es nie leid, die Geschichte 50-mal in der Kantine, in der Kaffeeküche und im Tennisclub herumzuerzählen.



Solche Anlässe sind die menschlichen Momente der Schwäche, etwa wenn jemand gerade seinen Ehepartner, einen Elternteil oder gar sein Kind verloren hat oder wenn er selbst einen Autounfall nur knapp überlebt hat - und die Situation dem Vorgesetzten, dem Unternehmenslenker und dem Personalchef peinlich ist. Weil sie selbst hilflos sind, das nicht zeigen wollen und dann den einfachsten Weg wählen - und so tun, als sei nichts gewesen. Das, obwohl der Betroffene gerade jetzt ganz besonders hohe Erwartungen an die Fürsorge "seiner" Firma hat.

Die anderen beiden Tsunami-Überlebenden waren nicht enttäuscht worden. Ihnen boten die Chefs ausdrücklich Hilfe und eine Auszeit an. Sie kümmerten sich, statt sich auf offensichtlich wegdelegierte Blumengrüße zu beschränken. Firmen, die eine Unternehmenskultur proklamieren, müssen für solche Krisenfälle Einsatzpläne haben, bei dem jede Führungskraft weiß, was sie wann zu tun hat. Nur so ist sichergestellt, dass gute Leute bei der Gelegenheit nicht innerlich kündigen. Und dass vor allem andere Mitarbeiter, die es miterleben, nicht auf sich schließen. Dass man mit ihnen dann auch so umspringt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%