Business Behaviour
„Und was kann ich noch für Sie tun?“

Manche Sätze klingen gönnerhaft und selbstherrlich. Womöglich sind diese Floskeln gar nicht so gemeint. Jedenfalls verwenden sie viele und häufig. Ohne dass ihnen in den Sinn kommt, auf welches Podest sie sich selbst damit stellen. Es gibt nur eine Antwort, die hierauf richtig pariert.

Das Gespräch plätscherte so vor sich hin. Man sprach über das Tagesgeschäft, über Erfahrungen und Ansichten, so ungefähr eine Dreiviertelstunde lang. Der Wirtschaftsführer hatte meinen Bekannten aus dem Rheinland - einen Herrn Mitte 40 - zum Gespräch in seine Firma geladen, "um sich mal kennen zu lernen". Weil man ohnehin aus derselben Kaderschmiede kam. Weil er zudem gerade auf Besuch in Hamburg war. Und überhaupt. So jedenfalls hatte es der Eingeladene bis dahin angesehen. Bis zu dem Moment, als ihn der Gastgeber urplötzlich mit der Floskel überraschte: "Und was kann ich noch für Sie tun?" Mein Bekannter war wie vor den Kopf geschlagen. Wie gönnerhaft dieser Satz klang, wie selbstherrlich. Nur weil der Gastgeber auf dem Karrieretreppchen bereits ein wenig höher angekommen war? Ganz wie ein Zaubermeister, der nur noch mal eben sein Zauberstöckchen schwingen braucht und - Simsalabim - den anderen glücklich machen kann bis an sein Lebensende.

Womöglich war diese Floskel gar nicht so gemeint. Jedenfalls verwenden sie viele und häufig. Ohne dass ihnen in den Sinn kommt, auf welches Podest sie sich selbst gerade stellen mit diesem Satz. Es gibt nur eine Antwort, die hierauf richtig pariert. Genauer gesagt, eine Gegenfrage: "Was können Sie denn für mich tun?" Ich wette, wenn Sie die ernsthaft stellen, haben Sie das Blatt in der Hand.

Darauf eine schnelle, intelligente Antwort zu finden ist nämlich nicht einfach. Und sollte der Frager tatsächlich etwas im Hinterkopf gehabt haben - vielleicht ein Abwerbeangebot, das er nur ein wenig unglücklich an den Mann bringen wollte -, so hat er jetzt die Gelegenheit, es auszusprechen. Nur eine wirklich sinnvolle Funktion - aber nach meiner Erfahrung ist das selten so gemeint - kann dieser hohle Satz haben: Wenn ein Gastgeber sich nicht traut, das Gespräch ausdrücklich zu beenden. Wenn er meint, sein Gast werde den Hinweis durch die Blume verstehen und selbst aufbrechen. Das allerdings ist nicht nett, dem Gast den Schwarzen Peter zuzuschieben. Ein Gastgeber - zumal im Unternehmensalltag - darf immer darauf verweisen, dass ihm in wenigen Minuten ein anderer Termin ins Haus steht. Dass er noch diese und jene Aufgabe zu erfüllen habe oder selbst nun das Haus verlassen müsse. Alles legitim. Und es ist immer fairer, es offen anzusprechen, als Versteckspielchen zu machen. Kein Mensch verlangt, dass er im Detail sagt, was er noch vorhat. Aber einen Anspruch darauf, nicht gönnerhaft behandelt zu werden, den hat jeder Gast. Auch wenn es der eigene Mitarbeiter ist, der im Chefzimmer zu Besuch ist.

Darf ich in Meetings mein Gegenüber unterbrechen? Wen muss ich im Mailverkehr auf "cc" setzen, wenn ich ein neues Projekt angehe? Unsere Business-Behaviour-Expertin Gabriele Schlegel antwortet auf Ihre ganz persönlichen Fragen und gibt Tipps - schreiben Sie ihr:  hb.behaviour@vhb.de.

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