Business Behaviour
„Und wie viel hat der Schellfisch gekostet?“

Ärgern Sie sich auch manchmal über Mitreisende im Zug, die viel zu laut und ungeniert sprechen? Und leider nicht mal über etwas Interessantes. Und das, ohne zu merken, wie sehr sie damit die anderen stören? Der Schlüssel zur Lösung des Problems ist die Ich-Botschaft.

Neulich erlebte ich diese Szene in einem Hotel-Restaurant: Eine Frau redete auf ihre Begleiterin lautstark und in einer Tour ein. Sie sprach etwa von einem Restaurant, bei dem Sie Schellfisch gegessen hatte. Nach zehn Minuten stand einer der Herren an den umliegenden Tischen auf und sagte laut: "Guten Tag! Verzeihung, wie viel hat der Schellfisch gekostet?" Den Preis hatte sie nicht erwähnt. Die anderen Restaurantbesucher kicherten, die Frau hielt kurz inne. Das hatte gewirkt. Jedenfalls nach drei Minuten, - denn so direkt wollte sie wohl nicht nachgeben. Aber dann mäßigte sie ihre Stimme, und alle hatten ihre Ruhe. Mit nur einem, zwar höflich formulierten, ironischen Satz hatte er ihr den Spiegel vorgehalten. Eigentlich hätte er diskret vorgehen müssen, damit sie ihr Gesicht wahren konnte. Wer sich nicht auf den Präsentierteller stellen und zum Robin Hood der Entnervten machen will, kann den Störenfried etwa mit diesen Worten ansprechen: "Entschuldigung, ich muss nun schon eine Weile Ihre privaten Informationen anhören, und es stört mich sehr." Die Ich-Botschaft ist der Schlüssel zur Lösung.

Ganz daneben gehen dagegen Versuche, laute Menschen zu stoppen, wenn man ihnen die Möglichkeit gibt, in die Offensive zu gehen. Also etwa indem man sie bewertet mit einem Satz wie: "Merken Sie nicht, wie rücksichtslos Sie sind?" Zumal Bewertungen ohnehin nicht in die Öffentlichkeit gehören, sondern stets in das Gespräch unter vier Augen. In Restaurants gibt es im übrigen immer noch die elegante Lösung, den Geschäftsführer zu bitten, laute Gäste zu drosseln - das ist sein Job. Er hat im Zweifelsfall sogar das Hausrecht und kann allzu üble Störenfriede rauswerfen.

Wer nämlich zur Selbsthilfe greift und in die Offensive geht, riskiert nur einen Knall. Ich habe mal erlebt, wie ein Chef eines großen Steuerberaterbüros im Cafe so laut redete, dass er eine Frau zwei Tische weiter so richtig auf die Palme brachte. Die Dame forderte ihn auf, leiser zu sein und gab zu erkennen, wie empört sie war. Doch sie hatte keine Chance. Denn der Mann pampte zurück, blieb unbeeindruckt und wurde nur noch lauter. Schon aus Frackigkeit.

Redaktion: Claudia Tödtmann

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