Business Behaviour
Unfallflucht beim Opernball

Der Täter war gut gekleidet - wie alle war er im Smoking erschienen. Doch das hielt den Mittvierziger, geladener Gast beim Opernball in Leipzig, nicht davon ab bei einem Treppenaufstieg einer Frau im langen Kleid auf die Schleppe zu trampeln. Wie hätte der Täter die Situation retten können?

Der Täter war gut gekleidet - wie alle war er im Smoking erschienen. Doch das hielt den Mittvierziger, geladener Gast beim Opernball in Leipzig, nicht von den übelsten Grobheiten ab. Sein Opfer war meine Tischnachbarin, die Frau eines Flughafenvorstands, die ein cremefarbenes, langes Kleid trug. Mit anderen Gästen plaudernd, gingen beide die großen Treppen hoch, als er hinter ihr gleich ein zweites Mal auf ihr Kleid trampelte. Wobei sie es beim zweiten Mal fast nach hinten wegriss, weil der Täter mit solcher Wucht drauftrat. Das Geräusch war gut vernehmbar, der Riss in ihrem Kleid - quer über den Po - gut sichtbar. Alle um sie herum merkten sofort, was passiert war - nur der Täter nicht. Auch das kann passieren.

Nur wie der Übeltäter reagierte, das darf nicht sein: Er ging einfach weiter nach dem Motto "Ich habe nichts gesehen, da kann nichts gewesen sein" und wollte die Traube der Stehenbleibenden flugs umgehen. Der Flughafen-Chef jedoch verteidigte seine Frau und konfrontierte den Täter: "Entschuldigung, haben Sie nicht gemerkt, dass Sie gleich zweimal auf das Kleid meiner Frau getreten sind und dies nun zerrissen ist?" Doch der parierte nach einer anderen Devise - "Angriff ist die beste Verteidigung" - und beleidigte den Manager: "Sie Flegel, haben Sie nicht gelernt, dass man Leute, die sich unterhalten, nicht unterbricht!"

So viel Frechheit siegte leider doch - zumal die Firmengäste der Airline nicht weiter das peinliche Spektakel mitbekommen sollten. Die arme Dame musste den ganzen Abend auf ihrem Platz sitzen bleiben, an Tanzen war nicht mehr zu denken, und den ganzen Abend musste sie sich von wohlmeinenden Leuten ansprechen lassen, sobald sie doch mal aufstand: "Wissen Sie, dass Sie da einen Riss haben?"

Wie hätte der Täter die Situation retten können? Eigentlich ist die Palette groß. Als Erstes hätte er sich vorstellen, entschuldigen und seine Karte übergeben müssen: "Selbstverständlich komme ich für den Schaden auf." Schließlich kostet so ein Kleid gerne mal an die 1 000 Euro. Er hätte sie fragen müssen: "Gibt es etwas, was ich jetzt tun kann?" Zum Beispiel ein Taxi zu rufen, mit dem sie nach Hause fahren kann, um sich dort umzuziehen. Oder einen Taxifahrer bei ihr zu Hause ein anderes Kleid holen lassen. Falls die Dame keinen Begleiter hat, sollte er dafür sorgen, dass sie nicht ganz so viele peinliche Blicke erntet, und sie geschickt flankieren. Und unbedingt einen guten Tropfen an ihren Tisch und einen Zweizeiler - mit Hand - am Folgetag schicken.

Gabriele Schlegel ist Dozentin für Business Behaviour an der FH Bonn-Rhein-Sieg

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