Business Behaviour: Vom Redner versetzt

Business Behaviour
Vom Redner versetzt

Renommierte Redner für Veranstaltungen zu finden, ist schwierig. Sie müssen Monate vorher angefragt werden, denn die Terminkalender prominenter Manager, Politiker und Wissenschaftler sind lange im Voraus dicht. Ganz abgesehen davon, dass diese sich gut überlegen, welche Bühne für ihr Image wichtig ist – und welche nicht. Was kann man also tun, um verbindliche Zusagen für Top-Vorträge zu erhalten? Und wie kann ein Referent einen Vortrag souverän wieder absagen?

Leider – so erlebe ich es immer häufiger – haben viele Menschen ihre gute Erziehung abgelegt und verschieben einmal zugesagte Verabredungen allzu leichtfertig. Zur Klarstellung: Wer krank wird ist selbstverständlich entschuldigt. Und „zu seinem Wort zu stehen“ mag antiquiert klingen, sollte aber eine Selbstverständlichkeit für jeden Erwachsenen sein, vor allem wenn er eine Führungsfunktion hat. Sicher ist es eine Versuchung für die eigene Eitelkeit, wenn zu einem Zeitpunkt, wo bereits etwas zugesagt ist, eine wichtigere, profilträchtigere Anfrage reinkommt.

So ungefähr muss es im Falle von Josef Ackermann, dem Chef der Deutschen Bank, ergangen sein, als er in letzter Minute den WHU-Kongress vergangene Woche „wegen dringender Verpflichtungen“ absagte und sein geplantes Referat den Zuhörern – immerhin zukünftigen Führungskräften - vorenthielt. Vermutlich, um ein profilträchtigeres Publikum zu beglücken. Als Ersatz schickte Ackermann jedoch nicht einmal ein anderes Vorstandsmitglied, sondern lediglich seinen jungen Strategiechef Axel Wieandt.

„Die verärgerten Zuhörer bekamen von Wieandt vom Blatt mit monotoner Stimme einen ebenso langweiligen wie inaktuellen Beitrag vorgelesen, der wie ein Verschnitt einer Werbebroschüre für die Bank wirkte. Und um dem ganzen peinlichen Auftritt die Krone aufzusetzen, lehnte Wieandt die Beantwortung von Fragen mit dem Argument ab, er habe leider viel zu tun und müsse gleich wieder gehen. Dabei war sein Vortrag schon deutlich kürzer als im Programm vorgesehen – und Wieandt hatte anschließend durchaus Zeit für das ein oder andere Schwätzchen am Rande des Kongresses“, schreibt Handelsblatt-Chefredakteur Bernd Ziesemer in seinem » Weblog .

Ich frage: Wo bleibt da die Vorbildfunktion und die Verantwortung für das eigene Unternehmen? Redner sind Vorbilder und werden an Universitäten deutlicher wahrgenommen als auf Managementforen. Die Regeln eines vertrauenswürdigen Menschen sind einfach: Sage nur was du meinst und handele danach – im Beruf wie in der Gesellschaft

.

Was hätte Ackermann also stattdessen tun müssen? Welche Grundregeln hätte er befolgen müssen?

  1. So frühzeitig wie möglich absagen – und nicht erst im letzten Augenblick.

  2. Eine Vertretung schicken, die so hochrangig ist wie möglich.

  3. Dann sollte der Vertreter eine persönliche Note des Absagenden vorlesen, aus der deutlich wird, dass er die Absage bedauert.

  4. Keinesfalls darf der Ersatzredner unter Zeitdruck stehen. Er muss etwas mehr Entgegenkommen zeigen, als der angekündigte Redner.

Um leichtfertigen Absagen vorzubeugen, kann es helfen, vier Wochen vor dem Termin erneut eine Einladung zu schicken. Dabei sollte die Passage „Um Antwort wird gebeten“ durchgestrichen sein und die Buchstaben „p.m.“ daneben geschrieben werden. Dieses Kürzel aus dem Französischen – es steht für „pour mémoire“ – soll an bereits zugesagte Termine erinnern – und die Latte für Absagen höher legen.

Redaktion: Claudia Tödtmann

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