Business Behaviour
Von Absagen und Ausladungen

Eine Ausladung ist immer ein Affront, deswegen ist sie in den meisten Fällen tabu. Wenn es nicht gerade massive persönliche Verletzungen gab, ist eine Ausladung immer auch ein Gesichtsverlust für den, der auslädt. In solchen Situation gilt es die Seriösität zu wahren.

Der Politologe und Professor Jürgen Falter war zum 23. Mal bei Sabine Christiansens Sonntagabend-Talk-Show zu Gast gewesen - um dann plötzlich nach einer kritischen Äußerung vor dem 24. Mal ausgeladen zu werden. Der Anlass: Falter hatte in einem Interview gesagt, dass Christiansen-Debatten oft "recht oberflächlich" gewesen und die Gäste "sich permanent ins Wort gefallen" seien. Und dass "die Oberflächlichkeit der Sendung auch mit der Art der Gesprächsführung von Sabine Christiansen zusammenhing, die häufig einen Gedanken abgeschnitten hat, bevor er richtig entwickelt werden konnte". Daraufhin wurde er von dem Produzenten der Sendung, Michael Heiks, ausgeladen - per Fax. Dessen Kommentar: "Vielleicht ist es besser, Sie ersparen sich einen weiteren oberflächlichen Abend mit uns und genießen den Sonntag bei einem guten Buch. Ich empfehle Ihnen persönlich: ,Prof. Untat: Was faul ist hinter den Hochschulkulissen?." Doch spätestens diese Empfehlung ging zu weit. Eine Ausladung ist immer ein Affront. Ich meine aber, ein Produzent eines Quotenrenners wie dieser Sendung hätte souverän über der Kritik stehen können.

Denn: Ausladungen sind tabu. Wenn es nicht gerade massive persönliche Verletzungen gab, ist eine Ausladung immer auch ein Gesichtsverlust für den, der auslädt. Und konkret: Die Empfehlung - lieber ein Buch zu lesen - ging definitiv zu weit, da der Bogen in die Privatsphäre geschlagen wurde. Und die hatte Falter durch seinen Kommentar über die Sendung nicht verletzt. Ein Indikator im professionellen Business heißt: Nicht beleidigt zu sein nach dem Motto "Mit dir spiele ich nicht mehr" - das gehört in die Grundschule, aber nicht ins Geschäftsleben. Deutliche Auseinandersetzungen sind in der deutschen Geschäftssprache üblich - zum Leidwesen vieler internationaler Geschäftspartner. Da darf auch ein heftiger Schlagabtausch vorkommen, aber Beleidigtsein ist zu privat und unprofessionell.

Ähnliches gilt daher für Einladungen, die man nicht annehmen will. Weil man vielleicht Groll hat gegen den Einladenden. Es ist gangbar fernzubleiben. Aber eine schlichte Absage muss sein - kein Wort mehr und auch keine Ausrede. Selbst wenn Mitglieder einer Abteilung der Einladung ihres Chefs demonstrativ nicht nachkommen wollen: Etwa wenn ihr Vorgesetzter ein Bundesverdienstkreuz erhielt und dies mit einem kleinen Umtrunk feiern will. Gutes Verhalten bedarf der Disziplin.

Redaktion: Claudia Tödtmann

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