Business Behaviour
Von Schubsern und Dränglern – wer wann den Vortritt hat

Wer geht eigentlich wann vor? Diese Frage wird immer wieder gestellt. Ganz einfach zu beantworten ist sie nicht, denn ausschlaggebend ist der Anlass. Ist er gesellschaftlich oder geschäftlich? Gesellschaftlich hat nämlich die Dame den Vortritt: Beim Ein- und Aussteigen aus dem Fahrstuhl, beim Einsteigen in ein Auto, beim Durchschreiten einer Tür und so weiter. Vergisst ein Herr diese Selbstverständlichkeit und läuft munter vor einer Dame her, sollte sie dies kommentarlos übersehen.

Im Job hat immer der Vorgesetzte Vorrang - es sei denn, ein Kunde ist dabei. Dann hat der Kunde den Vortritt, weil er immer die wichtigste Person ist.

Einem Freund von mir - er ist Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens - passierte dies: Er öffnete dem Kunden die Türe, und von der anderen Seite kamen zwei junge Mitarbeiter, im Klönen vertieft, durch die Türe. Mein Freund war viel zu verdattert, um irgendwie zu reagieren - und war als Vorgesetzter in einer dummen Situation. Besser hätte er laut gesagt: "Würden Sie mich bitte mit dem Kunden durchgehen lassen?" Um später das ungehobelte Benehmen unter sechs Augen anzusprechen. Wäre der Kunde ein Chinese, hätte der Chef sogar sein Gesicht verloren - und damit auch an Respekt.

Was gar nicht geht: Dass Vorgesetzte in Stresssituationen Mitarbeiter zur Seite schubsen. Sehr häufig ist das zu beobachten, wenn persönliche Referenten mit einem Minister unterwegs sind. Deren Verhalten hat nichts mit der Wichtigkeit ihrer Aufgabe zu tun, sondern mit der eigenen Unsicherheit oder dem Wunsch, vor anderen besonders einsatzbereit zu wirken. Ihr Verhalten ist unsouverän und respektlos.

Sind Sie es, der geschubst wird, und ist ein Gast dabei, müssen Sie in dem Moment leider stillhalten. Später im Vier-Augen-Gespräch erklären Sie dem Schubser, wie sehr ein solches Verhalten verletzt, und dass Sie es nicht mehr erleben möchten.

Spontan zu reagieren würde in dem Moment nicht ankommen, und die Situation wäre für alle Anwesenden allzu peinlich. Passiert ein solches Fehlverhalten unter Kollegen und ohne Besucher oder Kunden, können Sie auch direkt sagen: "Es stört mich, so rüde weggeschubst zu werden!"

Ansonsten gilt: Beim Betreten eines Restaurants und auf unwegsamem Gelände geht der Ortskundige vor, und sollte dazusagen: "Ich darf einmal kurz vorgehen."

Business Behaviour

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