Business Behaviour
Warum wollte ich Sie doch gleich treffen?

Ein Marketingchef kommt unvorbereitet ins Meeting. Ein anderer Chef hat vergessen, worum es geht, will das aber nicht zugeben und beginnt mit allgemeinen Schuldzuweisungen. Den beiden wird ihr Fehlverhalten kaum bewusst, denn keiner der Mitarbeiter stellt die Dinge klar. In interkulturellen Verhandlungen wird so ein Verhalten nicht akzeptiert.

Es passierte zum soundsovielten Mal - und brachte mal wieder alle Kollegen in Harnisch. Der Marketingchef kam unvorbereitet ins Meeting, in dem Beschlüsse gefasst werden sollten. Alle verloren Zeit, und die Atmosphäre war gereizt, da die Auskunftgeber - selbst wenn sie unkommentiert halfen - an keinen konstruktiven Arbeitsstil mehr glaubten. Kollegen werden so zu persönlichen Assistenten degradiert, und das ist inakzeptabel.

Ähnlich respektlos verhielt sich der Chef, der ein Meeting anberaumt hatte - aber vergaß, worum es gehen sollte. Die Kollegen sollten sich bei ihm zum Klärungsgespräch einfinden. Der Vorfall, um den es ging, lag aber Monate zurück - der Terminkalender des Chefs war allzu voll gewesen. Doch nun wusste der Chef nicht mehr, was er wollte - mochte das aber nicht zu erkennen geben. Er begann damit, allgemeine Schuldzuweisungen vorzunehmen nach dem immer gern genommenen Motto "Die Kommunikation stimmt hier nicht." Die Sitzung endete unverrichteter Dinge - und mit enttäuschten Mitarbeitern. Die nämlich hatten sich etwas erhofft - vergebens. Und sie hatten zu viel Takt und Angst vor dem Chef, um ihn ins Bild zu setzen.

Allzu anspruchsvoll sind viele Anrufer in Redaktionen, wie mir Journalisten immer wieder erzählen. Da rufen Leute an, die partout Erwähnung finden wollen - aber nicht einmal die Publikation kennen. Dieselben haben keine Hemmungen, mit immer neuen Fragen ihrer Erwartungshaltung noch eins draufzusetzen, den Angerufenen immer weiter die Zeit zu stehlen und die banalsten Dinge zu erfragen - die ebenso gut in der Publikation selbst oder im Internet nachlesbar sind. Bei jeder Akquise sollte ein Verkäufer in spe die Unternehmensdaten der angesprochenen Firma kennen. Fragen wie "Ach, können Sie mir mal gerade erklären ..." beweisen aber einen Schuss Ignoranz und das Hinwegsetzen über Grundregeln des Geschäftslebens. Die Angesprochenen sind oft nur höflich und liefern die Infos. Nur, so wird dem anderen sein Fehlverhalten kaum bewusst, da "doch alles klappt". In interkulturellen Verhandlungen wird so ein Verhalten nicht akzeptiert. Asiatische Gäste verlassen nach einer Anstandsfrist die Verhandlung, ohne dass ihre Verärgerung erkennbar ist. Und werden sich unter Garantie nicht mehr melden. Das Geschäft ist gelaufen.

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Redaktion: Claudia Tödtmann

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