Business Behaviour
Weihnachten darf der Chef nicht kneifen

Wenn es Unternehmenslenkern wirklich lästig ist, mit den Mitarbeitern Weihnachten zu feiern - dann sollten sie es einfach ganz lassen. Wer es aber eigentlich gerne möchte, der sollte sich vorher überlegen, was er seinen Leuten zumutet.

Da erwartet ein Versandhändler aus Hessen, dass seine Mitarbeiter 100 Kilometer zum Veranstaltungsort anreisen - um dann auch noch ihre Übernachtung aus der eigenen Tasche bezahlen zu müssen. Aber nicht etwa für eine Supershow mit einem US-Star, sondern für eine ganz normale Weihnachtsfeier, die ebenso gut am Firmensitz stattfinden könnte. Kein Wunder, wenn der Verdacht aufkommt, dass die Mitarbeiter gar nicht im Fokus stehen.

Die Leute, die nur deshalb zur Weihnachtsfeier mit den Kollegen gehen, um nicht negativ aufzufallen, gab es immer schon. Vorgesetzten geht es ähnlich. Wohl deshalb denken viele auch erst viel zu spät daran. Mit dem Ergebnis, dass die nettesten Lokale vergeben sind und für originelle Ideen keine Zeit mehr bleibt. Dann wird schnell irgendetwas organisiert - und so ist die Feier dann auch.

Andere Unternehmen nehmen gleich kein Blatt vor den Mund und bieten ihren Mitarbeitern an, auf die Teilnahme an der Weihnachtsfeier zu verzichten und sich 20 Euro auszahlen zu lassen. Das klingt nach einem kleinen Geschenk, geht aber am Thema auch vorbei. Weihnachtsfeiern sind genau genommen Jahresabschlussfeiern, denn ein spiritueller Gedanke ist nie erkennbar. Wer das ganze Jahr eine angespannte Stimmung in der Firma hat, Mitarbeiter überfordert, ihnen kaum dankt und als Hauptmanagement-Instrument Entlassungen kennt, sollte überlegen, ob eine Feier überhaupt angemessen ist. Das ist nicht nett, aber gradlinig und zu respektieren.

Bei Festen gelten ganz einfache Regeln: Der Gastgeber sollte das Wohlergehen der Gäste im Fokus haben. Jeder Eingeladene muss zur Stimmung beitragen. Auch Gäste haben Pflichten. Den Anspruch auf schönes Ambiente und beste Unterhaltung, ohne selber etwas einzubringen, ist unangemessen wie arrogant.

Was bedeutet dies für Unternehmen: Entscheidet sich eine Führungskraft für eine Feierstunde vor dem Jahreswechsel, so spüren die Mitarbeiter diese ernst gemeinte Wertschätzung. Der Chef hat die Pflicht, eine Ansprache zu halten mit einigen ehrlichen Worten der Anerkennung für geleistete Arbeit und den Wünschen für gute Zusammenarbeit im neuen Jahr. Und - ein Fehler, der vielen unterläuft - er darf sich keinesfalls frühzeitig davonstehlen. Weder davonstehlen noch früh.

Redaktion: Claudia Tödtmann

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