Business Behaviour
Wenn flotte Sprüche wie Schläge sind

Häufig habe ich internationale Rahmenprogramme ausgerichtet und miterlebt, die stets von diesen zwei Grundgedanken ausgingen: "Gib deinem Gegenüber ein gutes Gefühl!" lautet der eine, und der andere "Zeige deinem Gegenüber Respekt!"

Darf ich auch mal etwas sagen?" - mit diesem strengen Satz begrüßte uns die Führerin einer Gruppe, die uns durch die Weinkeller von Kloster Eberbach im Rheingau führte. Der Anlass war die Geburtstagsfeier eines Freundes, der 60 nationale und internationale Gäste - beruflich wie privat - eingeladen hatte. Am Abend vorher wurde gefeiert, man hatte sich kennen gelernt, und natürlich wurden in der Wartezeit vor der Führung Gesprächsfäden wieder aufgegriffen. Kurz, wir plauderten angeregt.

Die ambitionierte Führerin, die die wichtigen Hintergründe zum Weinanbau im Rheingau erklären wollte, meinte es sicher tatsächlich nett und lustig, und die deutschen Gäste mussten über den forschen Einstieg der Dame lachen. Doch die internationalen Teilnehmer waren irritiert, sie lächelten gequält und aus Höflichkeit. Man wollte ihr "Gesicht wahren". Warum? Weil gerade Asiaten und Amerikaner diesen direkten, harschen Sprachgebrauch kaum als lustig identifizieren.

Häufig habe ich internationale Rahmenprogramme ausgerichtet und miterlebt, die stets von diesen zwei Grundgedanken ausgingen: "Gib deinem Gegenüber ein gutes Gefühl!" lautet der eine, und der andere "Zeige deinem Gegenüber Respekt!" Wer sich an diese Leitgedanken bei internationalen Veranstaltungen hält, kann sicher sein, dass dadurch viel Entspannung und Lockerheitzwischen den Kulturen eintritt. Lustig gemeinte Maßregelungen wie die der Weinexpertin haben dabei keinen Raum. Ebenso wenig wie die folgenden Hinweise, mit denen sie wohl ihren Vortrag würzen wollte, und was bei den deutschen Teilnehmern in der Tat auch als spritzig und witzig ankam: "Warten Sie schön ab, diese Frage beantworte ich sofort im anderen Raum - ich kann ja nicht mein ganzes Pulver auf einmal verschießen." Gegenüber ausländischen Gästen wäre etwas weniger Schlagfertigkeit und etwas mehr konventionelles Verhalten angebracht gewesen.

Denn interkulturelle Kompetenz hat eben kaum mit Dos and Don?ts zu tun, aber sehr viel mit Sensibilität für andere und anderes. Was aber genauso wenig bedeuten darf, dass man asiatisches, amerikanisches oder italienisches Ambiente imitieren sollte. Das dürfte kaum funktionieren.

Das Wichtigste ist, Gäste in keine unsichere oder peinliche Situation zu bringen. Nie imitieren, immer respektieren, nicht anpassen, aber anlehnen an die gesellschaftlichen Umgangsformen der Gastkultur - ein gutes Bauchgefühl hilft in der Lage weiter als alles Antrainierte.

Darf ich in Meetings mein Gegenüber unterbrechen? Wen muss ich im Mailverkehr auf "cc" setzen, wenn ich ein neues Projekt angehe? Unsere Business-Behaviour-Expertin Gabriele Schlegel antwortet auf Ihre ganz persönlichen Fragen und gibt Tipps - schreiben Sie ihr:  hb.behaviour@vhb.de.

Die Fragen und Antworten sind nachzulesen unter  www.handelsblatt.com/behaviour.

Business Behaviour gibt es jetzt auch als Buch: Redline Verlag, 15,90 Euro. Zu bestellen unter: www.handelsblatt-shop.com

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