Business Behaviour
Wenn Frauen die Hosen anhaben

Mit dem Wort "So" unterbrach der Manager seine Kollegin. Obwohl sie auf gleicher Hierarchieebene war. Und sie ließ es zu. Maßregeln hat in so einem Moment keinen Sinn, sondern provoziert höchstens dumme Kommentare.

Mit dem Wort "So" unterbrach der Manager des Chemieunternehmens kurz und knapp seine Kollegin. Obwohl sie auf gleicher Hierarchieebene war. Und sie ließ es zu. Statt weiterzureden und die Stimme zu heben. Die gestandene Managerin stoppte, guckte ihn erwartungsvoll an - und realisierte erst dann, dass sie selbst der Stimme des Herrn mehr Gehör schenkte als sich. Ganz nonchalant fasste der Kollege alles Gesagte zusammen und machte dann seine Vorschläge für die nächsten Schritte.

Wie sie hätte reagieren können? Mit der klaren Ich-Botschaft "Ich bin gespannt auf Ihre Ausführungen, möchte meine Erklärungen aber erst beenden" oder "Einen Augenblick bitte, ich bin noch nicht fertig ...". Was dann am wichtigsten ist: sofort weitersprechen. Maßregeln hat in so einem Moment keinen Sinn, sondern provoziert höchstens dumme Kommentare wie: "Sie sind doch sonst nicht so empfindlich?" Das Zickenbild wäre perfekt.

Was kann die Höflichere noch tun? Ich rate, mit einem Kompliment so einen männlichen Redeschwall zu unterbrechen: "Was Sie sagen, finde ich sehr wichtig." Oder: "Richtig, Sie haben den Kern des Problems benannt." Denn solche positiven Bestätigungen lassen den anderen innehalten. Diese Sekunde will genutzt sein, und frau kann fortfahren etwa mit "... und ich denke, genau an diesem Punkt unterscheiden sich unsere Ansätze ..."

Immer wieder beobachte ich, dass es gerade die Mitarbeiterinnen sind, die Chefinnen in den Rücken fallen. Es läuft immer wieder gleich ab: Zwei Frauen sprechen miteinander, und kaum betritt der Mann den Raum - um seinerseits eine Bitte an die Mitarbeiterin zu richten -, wendet sich diese unvermittelt dem Mann zu. Ganz selbstverständlich, mitten im Satz. Um ihn vorzuziehen - und die Chefin damit bloßzustellen. Ich habe noch keinen Mann erlebt, der sich diese Bevorzugung nicht gefallen ließ. Der Zurückgesetzten bleibt nur eins: ganz ruhig unterbrechen, aber sofort. Am besten die Hand heben und sagen "Sorry, ich bin noch nicht fertig."

Der krasseste Fall - der im Berufsalltag so ähnlich übrigens täglich passiert - ist dieser, den eine Pressesprecherin eines Dienstleisters erlebte. Sie sollte einen Messestand abnehmen, aber der Handwerker schaute sie - seine einzige Ansprechpartnerin auf der Kundenseite - gar nicht erst an. Stattdessen verteidigte er seine - unvollendete - Arbeit gegenüber einem zufällig anwesenden Vertreter. Auf den redete er ein - bis der dem Handwerker sagte: "Nicht ich bin Ihr Ansprechpartner, sondern Frau Brose." In so einem Fall hilft es nur, deutlich zu werden: "Ich habe hier die Verantwortung, sprechen Sie bitte mit mir."

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