Business Behaviour
Wenn Kollegen müffeln

Der Chef ist es, der Skunkis zur Ordnung rufen muss. Möchten auch Sie eine Benimm-Frage geklärt haben? Schreiben Sie Gabriele Schlegel! Fragen und Antworten dokumentieren wir  hier .

Kann er krank sein oder ist er nur ungepflegt? Darf man etwas sagen, geniert man sich selbst zu sehr, um es anzusprechen, oder lässt man es lieber. Und leidet. Leidet unter Marotten, schlechten Angewohnheiten oder mangelnder Hygiene eines Kollegen. Da gibt es den Skunk, in dessen Zimmer es regelmäßig zum Umfallen duftet. Der Witz an der Sache ist, dass die Kollegen durchaus darüber reden - nur mit ihm selbst möchte partout keiner sprechen. Das dürfen die sogar. Aber wer sich ein Herz fassen muss, ist der Vorgesetzte.

Als Signal versuchen manche, dem Skunki zum Geburtstag ein Deo zu schenken. Aber davon rate ich ab: Falls es der Ärmste vor allen auspackt... Dann gerät die Geste zum öffentlichen Affront. Das einzig Senkrechte ist das ehrliche Vier-Augen-Gespräch und absolute Offenheit. Und vergessen Sie nicht, zuerst zu betonen, dass Sie nichts an seiner Arbeit zu beanstanden haben. Aber dass Ihnen sein Körper- oder Mundgeruch aufgefallen ist.

Wichtig ist: Bleiben Sie nicht hinter Ihrem Schreibtisch, zeigen Sie Respekt - und fassen Sie sich superkurz. So ein Gespräch darf in drei Minuten beendet sein - die Gefahr ist nämlich, dass es persönlich wird. Was auch nicht geschehen darf, ist dies: Erwähnen, dass er schon seit Jahren Stein des Anstoßes ist, oder sich Kunden beschwert haben. Das macht die Situation nicht einfacher und erniedrigt ihn noch mehr als nötig.

Was heute auch geht und womöglich taktvoller ausgeht: Der Chef darf es dem Mitarbeiter in einer Mail schreiben. Dann bleibt es dem Empfänger erspart, dass er dabei beobachtet wird, wie er die Nachricht aufnimmt. Die andere Variante: Der Chef schickt eine allgemein gehaltene Mail an alle und erinnert, wie das Unternehmen zu repräsentieren ist - von jedem einzelnen. Auch wenn das Risiko hoch ist, dass sich ausgerechnet der Betroffene nicht ertappt fühlt.

Ein ähnliches Thema sind Marotten, die auf purer Gedankenlosigkeit oder Rücksichtslosigkeit basieren: Einen angehenden Anwalt habe ich erlebt, der seine benutzten Tempo-Tücher gerne auf dem Konferenztisch aufhäufte. Oder einen Projektmanager in einem Seminar, der gedankenverloren mit Büroklammer oder Stift im Ohr bohrte. Hier darf jeder der Anwesenden - und nicht nur der Ranghöchste, etwas sagen - und das vor allen Anwesenden. "Diese Taschentücher hier stören mich wahnsinnig." Manchmal hilft ja schon eine Handbewegung oder ein Spruch wie: "Brauchst Du noch einen Kuli zum Schreiben?"

Bleibt die Frage, was ist, wenn es einer Ihrer Gäste, ein Kunde oder gar der Betriebsprüfer ist, unter deren Ausdünstungen alle leiden - dann müssen Sie eben durchhalten. Sorry.

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