Business Behaviour
Wenn sechs statt zwei kommen

Die beste Gegenwehr bei Überfällen im Job – und der Freizeit. Möchten auch Sie eine Benimm-Frage geklärt haben? Schreiben Sie Gabriele Schlegel! Fragen und Antworten dokumentieren wir  hier .

Der Professor war entsetzt. Sonntags klingelten seine Doktoranden gleich zu sechs Mann hoch freudestrahlend gleich an seiner Haustür: Man wolle ihm den gewonnen Fußballpokal der Uni zeigen. Der Doktorvater machte gute Mine zu bösem Spiel, bat den wissenschaftlichen Nachwuchs auf die Terrasse und spendierte auch noch Sekt.

Der Fall ist authentisch und lag der Ehefrau des Professors und Handelsblatt-Leserin auf der Seele: "Auch wenn ich gastfreundlich bin, ist dieses Verhalten nicht allzu distanzlos?" Doch hätte er den jungen Leuten die Tür weisen dürfen? Ich meine, ja - aber nur mit einer plausiblen Begründung. Und wenn sie nur heißt "Es tut mir leid, aber es passt im Moment nicht". Entscheidend ist, keinen Vorwurf zu machen und sich selbst zu entschuldigen - denn eigentlich war die Attacke ja gut gemeint.

Aber weil diese Attacke das Privatleben der ganzen Familie berührt und vielleicht stört, darf der Professor auch nein sagen. Ohnehin hätte ein Anruf genügt und der unfreiwillige Gastgeber hätte die Gelegenheit bekommen, seine Rolle anzunehmen. Derlei Überfälle geschehen nicht nur von eigenen Mitarbeitern und nach Dienstschluss, sondern genauso im Arbeitsalltag und von Unternehmensfremden. Da steht plötzlich ein Kunde, der "gerade zufällig in der Stadt ist" völlig unerwartet am Empfang und will Sie sehen. Sie aber haben anderes im Sinn: Die letzten Vorbereitungen für eine wichtig Konferenz, die in einer Stunde beginnt oder ein unaufschiebbares Personalgespräch mit einem Mitarbeiter. Was tun? Eins ist unabdingbar: Der Überfallene muss zum Empfang kommen und den unverhofften Besucher persönlich begrüßen - und ihm erklären, dass es ihm leid tut, aber dass er ausgerechnet heute keine Minute Luft hat: Dass es sein Terminplan einfach nicht zulässt und dass er um Verständnis bittet. Keinesfalls darf er selbst auch nur einen Hauch von Verärgerung über den Überfall zeigen.

Einem Überfall gleich kommt es übrigens, wenn ein Gesprächspartner alleine oder zu zweit angekündigt ist, aber plötzlich zu viert oder fünft auftaucht. Für Asiaten ist es sogar typisch, man muss bei Geschäftspartnern aus China damit rechnen. Hier gibt es nur eine Gegenwehr: Informieren Sie Kollegen, dass sie sich - für alle Fälle - auf Stand-by, in Rufbereitschaft halten und auf Ihren Zuruf dazu stoßen. Selbst wenn Kollegen vorher nicht informiert werden konnten, sorgen Sie für Gleichstand und holen Sie sich Verstärkung. Uns erscheint so ein Aufmarsch unhöflich, ist in Asien aber erlaubte Taktik.

Darf ich in Meetings mein Gegenüber unterbrechen? Wen muss ich im Mailverkehr auf "cc" setzen, wenn ich ein neues Projekt angehe? Unsere Business-Behaviour-Expertin Gabriele Schlegel antwortet auf Ihre ganz persönlichen Fragen und gibt Tipps - schreiben Sie ihr:  hb.behaviour@vhb.de.

Die Fragen und Antworten können Sie  hier nachlesen.

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