Business Behaviour: Wer Bücher verleiht ... ist am Ende der Spießer

Business Behaviour
Wer Bücher verleiht ... ist am Ende der Spießer

Erst beginnt es so harmlos - und am Ende hat man einen Freund weniger. Da arbeitet der Kollege gegenüber gerade an der Vorlage für ein Grundlagenpapier über die wirtschaftliche Entwicklung in Indien und Sie sind es, der im Bücherregal ein interessantes Werk zu diesem Thema hat, das er hervorragend gebrauchen kann. Sie aber auch.

Deshalb ist es ja dort. Jetzt steht der Kollege vor Ihnen, mit treuem Dackelblick und bittet vertrauensselig, Sie mögen ihm das begehrte Buch ausleihen. Dauert höchstens ein paar Tage, versichert er und verlässt überglücklich ihr Büro. Mit Ihrem Buch unterm Arm.

Doch das Wiedersehen bleibt aus. Der Kollege versinkt in Arbeit. Wie befürchtet. Aus Tagen werden Wochen, und nun brauchen Sie es selbst. Das ist die Situation, in die uns andere immer erst hineinbringen. Ohne unser Zutun. Wir wollen höflich sein - und werden abgestraft, hängen gelassen. Und stehen am Ende auch noch als Spießer da.

Sie müssen als Besitzer auch noch zum Bittsteller mutieren und erbitten Ihr Buch zurück. Nun läuft es so ab: Variante eins, ist die Reaktion "Oh, entschuldige, tut mir Leid. Das hätte ich ja längst zurückgeben müssen." Stimmt. Aber wenigstens war die Reaktion nett.

Variante zwei ist schon verschärft: "Ach ja, schau mal, das Buch müsste da vorne unter dem Stapel liegen." Und Sie müssen sich auch noch da durchwühlen.

Variante drei geht gar nicht - passiert aber: "Ach, das habe ich zu Hause, ich bring es morgen mit." Und es kommt nie zurück. Oder der Entleiher verschwindet und mit ihm Ihr Buch. Weil er umzieht, den Job wechselt oder den Ehepartner verlässt. Doch hätte man es verhindern können? Von vornherein Nein sagen zum Verleihen? Eigentlich schon. Welchen Grund soll es haben, dass es unhöflich sein soll, seine Schätze Freunden oder Kollegen nicht mehr auszuleihen?

Nach solchen Erfahrungen ist es absolut korrekt, auf die Anfrage so zu reagieren: "Leider sind mir viele Bücher, die mir wichtig waren, abhanden gekommen. Ich verleihe daher prinzipiell nichts mehr. Du kannst aber gerne in meinem Büro lesen und kopieren. Bitte verstehe, dass ich Bücher nicht mehr weggebe."

Tabu ist auch das Büro von Kollegen, die nicht da sind. Das musste ein Freund von mir lernen, der als persönlicher Referent mal eben für seinen Außenminister den neuen "Spiegel" auftreiben sollte und sich am Exemplar des - abwesenden - Staatssekretärs vergriff. Er erntete die dezidierte Anweisung: "Sie werden in Zukunft nichts von meinem Schreibtisch nehmen, ohne meine Genehmigung einzuholen!"

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