Business Behaviour
Wer hat einen Radiergummi?

Fremde Schreibtische sind tabu – selbst für Chefs Möchten auch Sie eine Benimm-Frage geklärt haben? Schreiben Sie Gabriele Schlegel! Fragen und Antworten dokumentieren wir  hier .

Allein gelassen im Zimmer des Chefs. Weil der noch kurz etwas erledigt, ehe er Zeit für seinen Mitarbeiter findet. Darf man sich schon mal setzen? Und wohin? Welches könnte sein Stammplatz sein? Darf man sich wirklich bedienen und schon mal einen Kaffee nehmen? Sie dürfen, jedenfalls wenn er es so offeriert.

Nicht aber dürfen Sie die Frage stellen, ob es besser wäre, ein anderes Mal wieder zu kommen. Es ist allein Aufgabe des Chefs, das anzusprechen. Sollten mehrere Kollegen beim Vorgesetzten vorstellig werden, und kommt er erst später, gebührt es die Höflichkeit, dessen Stuhl freizulassen. Ist dieser Platz unüberlegt doch besetzt worden, muss der Betreffende sofort aufstehen - im Job zählt Hierarchie. Dass es nicht die deutlich ältere Sekretärin ist, die vor dem Berufseinsteiger aufsteht, um dem Chef einen Sitzplatz zu überlassen, sollte sich von selbst verstehen. Tut es nur leider nicht, wie ich kürzlich erlebte. Als eine Mitarbeiterin eines Konzern mit Ski-Verletzung in einen Konferenzraum humpelte, in dem es keinen freien Stuhl mehr gab. Keiner der anwesenden Herren vom Praktikanten an aufwärts kam auf die Idee, aufzustehen - bis auf einen der Chefs. Der bestand darauf, dass die Frau seinen Platz nahm. Keiner wurde stutzig. Und keiner bot wenigstens der Führungskraft seinen Platz an. Der Mann musste auf dem Boden sitzen, eine Stunde lang - was er souverän erledigte. Absurdistan? Iwo, Unternehmensalltag.

Doch zurück zum Thema fremde Zimmer: Fern halten müssen Sie sich vom Chef-Schreibtisch. Welche Bücher in seinem Regal stehen, das dürfen Sie anschauen - aber nicht anfassen. Doch nie dürfte jemand seine Arbeitsunterlagen oder die Handtasche auf den Chef-Schreibtisch legen. Auch nur einen Stift vom Chef-Tisch kurz auszuleihen, ist ein absolutes Tabu. Doch es bleibt eine Gratwanderung: Treten Sie allzu vorsichtig auf, so kann das dem Chef lästig werden - es kostet ihn viel Aufmerksamkeit, jeden Schritt vorzugeben. Gerade die devote Haltung eines Mitarbeiters kann nerven und eine unprofessionelle Form des auf-sich-aufmerksam-machens sein.

Die Regel: Schreibtische sind Privatsphäre, das muss jeder respektieren. Kollege wie Chef. So leistete es sich der Vorstandsassistent eines Konzerns - auf der Suche nach einem Radiergummi im Großraumbüro - nicht nur über alle Schreibtische zu gehen, sondern auch noch Schubladen aufzuziehen. Unmanierlich war auch der Chef, der gerne in der Pause checkte, was seine Leute auf dem Schreibtisch hatten. Eine Freiheit, die keinem gestattet ist.

Darf ich in Meetings mein Gegenüber unterbrechen? Wen muss ich im Mailverkehr auf "cc" setzen, wenn ich ein neues Projekt angehe? Unsere Business-Behaviour-Expertin Gabriele Schlegel antwortet auf Ihre ganz persönlichen Fragen und gibt Tipps - schreiben Sie ihr:  hb.behaviour@vhb.de.

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