Business Behaviour
Wer heißt schon Müller-Lüdenscheid?

Wie kommen Sie mit dem Namen eigentlich durchs Leben?" Mit dieser Frage versuchte kürzlich ein Mittfünfziger auf einer Party das Gespräch mit meiner Freundin - sie heißt Klohoker, was in Südhessen nicht selten ist - zu eröffnen. Es blieb bei dem Versuch, natürlich. Das Gespräch kam nicht mehr recht in Gang.

HB DÜSSELDORF. Zum einen mag es niemand, wenn sich Fremde, die ihn nicht mal kennen, ansatzlos über seinen Namen lustig machen. Zum anderen klingt aus solch einem Satz so eine Überheblichkeit, dass dem Betroffenen jede Lust, dem anderen seine Zeit und Aufmerksamkeit zu schenken, vergeht. Meine Freundin regelte die Situation souverän, antwortete nur "eigentlich gut", wechselt erst das Thema - und dann flugs den Gesprächspartner. Zum Glück. Denn ein provokatives "Wie meinen Sie das?" hätte die Lage nur zugespitzt.

Bei Namen ist es immer wieder erstaunlich, was sich manche Leute herausnehmen. Kaum heißt jemand Mayer-Kuckuk, prusten wildfremde Menschen einfach los. Sie fühlen sich an den Loriot-Sketch mit Herrn Müller-Lüdenscheid und Dr. Klöbner in der Badewanne erinnert. Ich rate zu betonter Gelassenheit. Denn diesen Menschen ist oft nicht mal bewusst, wie sie andere beleidigen. Am besten einfach drüber weggehen.

Auch Menschen mit unaussprechlichen Namen haben es ihr Leben lang schwer. Die meisten sprechen sie falsch aus, andere machen sich einen Spaß daraus, sie permanent zu verfremden. Pech nur, wenn es der eigene Chef ist, dem solche Späße gefallen. Und die Frage ist: Wann darf man seinen Vorgesetzten oder die Kunden korrigieren? Oder sich diese Witzchen gar verbitten? Wen Sie nicht mehr wiedersehen, den brauchen Sie gar nicht erst zu verbessern, laufen lassen ist angesagt. Ansonsten ist die Devise: Korrigieren - aber ohne Unterton mit dem Satz "Vielleicht habe ich meinen Namen undeutlich ausgesprochen, ich heiße Soundso". Arten die Chef-Witzchen in Schikane aus, sollten sie ganz ruhig sagen, "ich heiße Soundso". Immer mal wieder. Und nur zur Not die Aussprache suchen.

Schwierig wird es, wenn Partner berufstätiger Frauen mit deren Namen angesprochen werden. Wer ohnehin miteinander verheiratet ist oder als Lebensabschnittpartner auftritt, sollte großzügig drüber weghören. Wer aber nur als Begleiter für den einen Abend dabei ist, der sollte den Irrtum lieber rechtzeitig klarstellen. Ich wurde einmal bei einem Empfang einem anderen Gast als Gattin angedichtet und sagte "Es tut mir Leid, nein" - und war völlig platt, als dieser konterte "Mir nicht." Bis ich begriff, dass er zur "Und das ist gut so"-Fraktion gehörte.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%