Business Behaviour
Wer nicht zu stoppen ist

Höflichkeit funktioniert nicht auf der Einbahnstraße Möchten auch Sie eine Benimm-Frage geklärt haben? Schreiben Sie Gabriele Schlegel! Fragen und Antworten dokumentieren wir  hier .

In vielen Arbeitsplatz-Beschreibungen sollte diese Eigenschaft stehen: Der Bewerber muss unhöflich sein können. Er soll es natürlich nicht immer sein und schon gar nicht, wenn er die Firma draußen repräsentiert. Aber tatsächlich sind heute die Stellen in den meisten Firmen so angelegt: Es gibt keine Sekretariate mehr. Wer anruft, fällt beim Mitarbeiter immer direkt mit der Tür ins Haus. Der Anrufer landet womöglich in einer Besprechung, unterbricht eine konzentrierte Arbeit oder gar ein anderes Telefonat auf dem Handy. Warum er trotzdem dran geht? Vielleicht weil er einen ganz bestimmten Anruf dennoch sehnsüchtig erwartet. Oder weil es ein Notfall sein könnte.

Druckst der Mitarbeiter erst herum und hat nicht die Chuzpe, direkt zu sagen, dass er jetzt leider keine Zeit zum Telefonieren hat, steckt er selbst in der Höflichkeitsklemme. Unverschuldet. Wer nicht schnell genug "stopp" sagt, hat schon verloren. Mein Rat: Es ist korrekt, wenn Sie sagen, dass und warum Sie gerade nicht können, aber unverzüglich zurückrufen wollen. Nur, seien Sie konsequent und lassen Sie sich auf keine Diskussion ein.

Erstaunlich ist nur, dass so viele Anrufer oft gar nicht begreifen, was ihnen der so Gestörte da sagen will. Sie sind so froh, den anderen erreicht zu haben, dass sie gar nichts mehr aufnehmen.

Zum Beispiel der Geschäftspartner, der zwar fragte "Störe ich?". Und auf den Satz "Wie man es nimmt, in drei Minuten beginnt meine Konferenz und ich habe gerade Nasenbluten," nur kurz stutzt, um dann frohgemut weiterzuplappern. Die andere Variante sind Anrufe in der Bahn. Der andere spricht drauflos, nur Sie sitzen zwischen fremden Menschen, die mit großen Ohren auf Unterhaltung warten oder sich direkt gestört fühlen. Sagen Sie dem Anrufer ruhig, wo Sie sind: "Ich bin in der Bahn. Ich kann jetzt nur mit ja oder nein antworten." Dasselbe gilt für Räume, wo Sie nicht übersehen können, wer noch alles zuhört. Kürzlich wurde meine Freundin in einem Waschraum von einem künftigen Arbeitgeber wegen eines Job-Angebots auf dem Handy angerufen. Vor allem musste sie zittern, dass nicht ausgerechnet in dem Moment jemand die Spülung bedient.

Am schlimmsten sind die Überfalltäter. Die direkt im Türrahmen stehen, ohne Voranmeldung und am Pförtner vorbei. Denen muss man rigoros begegnen: "Ich habe jetzt wirklich keine Zeit, ich muss Sie bitten, wieder zu gehen." In dieser Lage nachzugeben, ist nämlich nicht höflich, sondern unprofessionell. Und auf allzeit bereite Gesprächspartner hat ohnehin niemand Anspruch.

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