Business Behaviour
Wir-Gefühle muss der Boss erzeugen

Für wen ist die Situation auf Betriebsveranstaltungen eigentlich stressiger: für den obersten Big Boss, der sich ausnahmsweise mal betont lässig unters Volk mischen soll, oder für die Mitarbeiter? Diejenigen an der Basis, die ihn sonst nie persönlich zu sehen bekommen, geschweige denn zu sprechen. Schwer zu sagen, welche Antwort zutrifft.

Den Chef plagen Sorgen, von denen seine Belegschaft gar keine Vorstellung hat. Ob die Leute nicht lieber ohne ihn - unter sich und ganz entspannt - feiern würden? Alle belauern ihn, was er anhat, mit wem er spricht, wer sich an ihn heranpirscht, um wie viel Uhr er geht, was er isst und trinkt und so weiter. Viele Chefs würden lieber in das nächste leere Zimmer flüchten, statt mit ihren Mitarbeitern zu plaudern - über Harmloses wie Urlaub, die WM oder einen aktuellen Kinofilm. Die Steigerung ist noch, wenn ihn seine Ehefrau begleitet. Kurz: Er fühlt sich wie auf dem Präsentierteller.

Dabei geht es seinen Leuten kaum besser. Viele würden nur zu gerne ein paar Worte mit ihm wechseln, allein die Traute fehlt. Und selbst, wenn der erste Anlauf genommen ist - und Herr Schneider von der Buchhaltung schneller war als Frau Seibel vom Empfang, die auch schon in die Richtung steuerte - und die ersten Worte gesprochen sind. Nur, wie geht?s weiter? Die große Frage: Was um Himmels Willen ist das richtige Small-Talk-Thema mit dem Big Boss? Zu den Nonos gehört jegliche Kritik am Unternehmensalltag, an der Organisation oder sonst etwas Heikles.

Die Grundregel ist, dass auf Betriebsfesten jeder jeden Vorgesetzten ansprechen darf. Am besten samt höflichem Gruß und korrekter Vorstellung samt komplettem Namen und Funktion. Gute Anknüpfungspunkte sind zum Beispiel das Restaurant, in dem gerade gefeiert wird oder Unverfängliches wie irgendwelche Veranstaltungen in der Stadt. Formvollendet und regelgerechter ist es, wenn sich die Führungsriege selbst einbringt und so viele Mitarbeiter wie möglich persönlich anspricht. So wie es stets Lufthansa-Ex-Chef Weber gelang. Chef-Aufgabe ist es - gerade bei so einem Fest - von oben Kommunikationsbereitschaft zu signalisieren. Wer?s nicht macht, verwirkt sein Recht, sich über mangelnde Kommunikation im Unternehmen zu beklagen. Denn das Wir-Gefühl zu vermitteln, dafür ist der Boss zuständig.

Wer sich als Chefchen um den großen Chef schart und nur selbst die Gelegenheit nutzt, sich lieb Kind zu machen, ist aber auf dem Holzweg. Nicht nur, dass er seine eigenen Kontaktaufnahmen vernachlässigt, er blockiert auch noch den Big Boss.

Ähnliche Pflichten haben Ehrengäste. Auch sie sollen mit vielen Gästen sprechen und nicht nur mit dem - vielleicht interessanteren - Gastgeber. Wie die anderen Gäste habe ich mich doch allzu oft zum Statisten degradiert gefühlt. Anders erging es Liz Mohn, die als Bertelsmann-Mitarbeiterin ihren späteren Ehemann auf dem Betriebsfest kennen lernte - beim Reise-nach-Jerusalem-Spiel.

Business Behaviour

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