Business Behaviour
Wo ist denn die Festsau?

Was zu tun ist, wenn man versehentlich jemanden beleidigt hat. Möchten auch Sie eine Benimm-Frage geklärt haben? Schreiben Sie Gabriele Schlegel! Fragen und Antworten dokumentieren wir  hier .

Wo ist denn die Festsau?" posaunte ein Diplomat neulich fröhlich in die Runde. Wir waren eingeladen zum 60. Geburtstag bei einem Vorstand. Was die Frohnatur nicht bemerkt hatte - die Gastgeberin stand gleich neben ihm. Und die fragte prompt interessiert: "Entschuldigung, wen suchen Sie bitte?" Ich versank schier in den Boden, die anderen grinsten. Doch zum Glück hatte sie tatsächlich nicht verstanden, was der Mann da gesagt hatte. Er konnte es geradebiegen, indem er sagte, er habe "nur den Ehrengast gesucht".

Das kann jedem passieren: Eine allzu spontane Äußerung, vielleicht im Überschwang oder auch vor Wut. Eine Bemerkung, mit der niemand bewusst verletzt werden soll. Es ist so eine Situation, in der man sich drei Sekunden später - womöglich selbst ganz überrascht - fragt: "Was habe ich um Himmels willen gerade gesagt? So was passiert, immer wieder - die Frage ist nur, wie komme ich mit Anstand wieder raus aus dieser Lage?

Wenn man jemanden nicht erkennt, den man erkennen müsste. Da kann man sich noch mit einer veränderten Frisur herausreden, dem Gegenlicht oder dass man seine Brille zu Hause vergessen hat. Wenn diese Ausflüchte wirklich nicht mehr funktionieren, bleibt nur die Flucht nach vorn: Sich erklären und sofort aufrichtig entschuldigen beim Gegenüber. So habe ich es mit der Dame im Call-Center neulich auch gemacht. Die hatte leider haargenau verstanden, was mir in meiner Verzweiflung über die nicht-funktionierende Technik über sie u×nd ihre Abfuhr herausgerutscht war. Und zwar, dass ich nicht bereit sei, mit inkompetenten Leuten zusammenzuarbeiten. Und inkompetent fand sich die Dame nicht. Ich stellte schnell klar: Nicht sie, eher das System trage die Schuld.

Dabei ist es auch umgekehrt prekär: Was tun, wenn man selbst Opfer so einer Beleidigung wird? Darüber hinweggehen? Man kann es, als eleganten Ausweg. Aber eine Beleidigung nagt halt doch. Am meisten Größe beweist, wer dem anderen deutlich verzeiht und ihm eine Brücke baut: "So etwas ist mir auch schon passiert" oder "Ich habe es nicht persönlich genommen". Den ganz Souveränen gelingt der Dreh, etwas Humorvolles drauf zu setzen.

Manchmal da geht es nicht anders. Dann muss man jemanden in die Schranken weisen - gerade wenn er sich in seinem Beruf und als Vertreter einer Firma oder Behörde daneben benimmt. So wie meine Freundin, die bei einem Bundesministerium anrief, in der Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit. Das Telefon hatte eine Macke, der Beamte hörte sie am anderen Ende plötzlich nicht mehr - aber sie ihn dafür. Und er schimpfte laut über die "Blöde Ziege, die einfach einhängt". Sie reagierte prompt: Und rief sofort wieder an mit den Worten: "Hier ist die blöde Ziege, ich hatte gar nicht eingehängt". Der Mann kam nur noch ins Stottern. Über den ach so saloppen Umgangston, den sie in der Abteilung pflegten. Schwache Ausrede.

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