Business Behavoiur
Im Fahrstuhl mit dem Chef unter vier Augen

Viele Büroangestellte kommen gar nicht umhin, auf dem alltäglichen Weg zu ihrem Arbeitsplatz den Aufzug zu benutzen. Trotz der meist sehr kurzen Zeit, die man im Fahrstuhl verbringt, können viele unangenehme Situationen entstehen. Lesen Sie, welches Verhalten richtig ist und welches nicht.

"Letzte Woche ist dieser Aufzug stecken geblieben", erzählte die Dame den Kollegen. Im Aufzug, wohlgemerkt. Um sich wichtig zu tun oder um das Schweigen zu überbrücken. Einer der Kollegen wurde prompt blass und stieg dann auch schnell aus. Die Dame hatte ein Tabu gebrochen: Sprüche und Witze über ein mögliches Steckenbleiben sind im Fahrstuhl unangebracht, denn zu viele Leute leiden unter Klaustrophobien - und wollen das nicht unbedingt zugeben. Dasselbe gilt für ein Hineinquetschen, wenn der Aufzug schon ziemlich voll ist. Es könnte sein, dass sonst einer der Eingekeilten Platzängste bekommt. Bei Geschäftsreisen in den USA oder moslemischen Ländern sollten Sie übrigens unbedingt Körperberührungen vermeiden. Was bei uns im Gedränge als unvermeidbar akzeptiert ist, wird dort womöglich als Belästigung geahndet.

Ganz flau wird vielen, wenn sie sich alleine mit dem Big Boss der Firma im Aufzug wiederfinden. Was tun? Gar nicht erst einsteigen? Schnell umdrehen und weggehen? Die Flucht ergreifen geht jedenfalls nicht mehr, wenn er Sie schon gesehen hat. Ansonsten gilt: Small Talk ist angesagt. Stehen mehrere im Aufzug, genügt ein "Guten Tag" und "Auf Wiedersehen". Sind Sie zu zweit, grüßt der Mitarbeiter den Vorgesetzten zuerst und zwar mit Namen. Dann ist aber der Chef an der Reihe, dem Mitarbeiter die prekäre Situation erträglich zu machen, er muss etwas sagen. Und ihn dabei anschauen. Er kann nach dem Wochenende fragen oder ihm ein Kompliment machen etwa über seine Armbanduhr. Höfliche Gelassenheit ist angesagt. Der Mitarbeiter darf jedenfalls nicht die gute Gelegenheit unter vier Augen mit dem Chef dazu nutzen, ihn auf sein Gehalt anzusprechen, von Abteilungsinterna zu berichten oder irgendwelche Bitten anzubringen. Umgekehrt ist es tabu, den Mitarbeiter zu überfallen und überraschend abzufragen wie einen Schüler. Beim Verlassen des Aufzugs hat der Chef jedenfalls den Vortritt, ebenso wie Gäste und Kunden.

Generell gilt: Wer sieht, dass jemand noch eilends versucht, den Aufzug zu erreichen, bevor sich die Türen schließen, der muss die Türen für ihn zwei Sekunden offen halten. Auch wenn er es selbst noch so eilig hat. Was ebenso wenig sein darf: Wenn man sich festquatscht und beim Aussteigen so in den Türrahmen stellt, dass sich die Türen nicht schließen. Sind noch andere im Aufzug, darf man diese nicht aufhalten. Und man blockiert den Aufzug für andere. Das ist ähnlich rücksichtslos, wie im Badeurlaub morgens am Pool die Liegen mit Handtüchern zu besetzen - und erst nach Stunden selbst zu kommen.

Gabriele Schlegel ist Dozentin für Business Behaviour am der FH Bonn-Rhein-Sieg.

Redaktion: Claudia Tödtmann

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