Business-Englisch
Feintuning

In exklusiven Sprachkursen im Ausland sollen Manager ihr Business-Englisch aufpolieren. Doch Qualität von Unterricht und Unterkunft variieren stark. Handelsblatt.com zeigt sprachschwachen Führungskräfte, wie sie ihr perfektes Training finden.

DÜSSELDORF. Gute Vorsätze zum neuen Jahr werden spontan getroffen – und oft genauso schnell wieder vergessen. Da gönnt man sich nach den ersten Diät-Tagen schon mal den Schokoriegel zur Belohnung oder zieht doch an der Zigarette. Matthias Borchers ist konsequenter: Er hat seine guten Silvestervorsätze in die Tat umgesetzt. Der Leiter der Personalentwicklung bei der Deutschen Lufthansa wollte sein Geschäftsenglisch aufpeppen. Mit einer Sprachreise in die irische Stadt Cork hat er sein Englisch verbessert und seine Stellung im Unternehmen gefestigt. „Mit meinem Englischkurs wollte ich mit der Internationalisierung im Unternehmen Schritt halten“, erklärt der Manager seine Motivation, freiwillig Vokabeln zu pauken. Ein erholsamer Urlaubstrip war sein Aufenthalt in der irischen Sprachschule „Nations Training“ nicht: Auf den Manager warteten zwei Sprachlehrer ohne Deutschkenntnisse, bis zu zwölf Stunden Unterricht am Tag und britisches Sauwetter.

Trotz des Nieselregens, Borchers ist von seiner Sprachreise begeistert. „Die Lehrer waren sehr gut vorbereitet und haben mich speziell für meine Aufgaben im Personalbereich trainiert“, sagt er. In Rollenspielen mit seinen Dozenten hat er Personalgespräche auf Englisch eingeübt. „Vor allem bei sensiblen Themen, beispielsweise der Leistung von Mitarbeitern, ist es wichtig, die richtigen Worte zu wählen. Das gelingt mir jetzt auch in der Fremdsprache“, sagt Borchers. Nach jeder Übungseinheit bekam er eine schriftliche Beurteilung seiner Leistung und eine CD mit Aufzeichnungen aus den Übungen.

Den richtigen Ton galt es auch beim Abendessen mit seinen Lehrern zu treffen. Hier sammelte der Deutsche Erfahrungen im Small Talk. Zum Abschluss des Trainings musste Matthias Borchers beweisen, was er gelernt hatte: In einer 20-minütigen Power-Point-Präsentation stellte er ein fiktives Personalkonzept vor. Seine Darbietung wurde per Video aufgezeichnet. Bei der anschließenden Analyse war nicht nur Borchers zufrieden. Auch die Trainer lobten die Fortschritte des Deutschen.

So viel Glück mit Lehrern im Ausland hat jedoch nicht jeder lernwillige Manager. „Das Niveau der Sprachreisen für Führungskräfte ist insgesamt hoch. Doch wo Licht ist, gibt es auch Schatten“, sagt Konrad Schröder, Professor für Anglistik an der Universität Augsburg. Der Experte testet für den Fachverband Deutscher Sprachreise-Veranstalter (FDSV) die Schulen der Verbandsmitglieder.

Vorsicht sei vor allem bei ausländischen Anbietern im Internet geboten. Er habe schon erlebt, dass Einheimische eine Reise online beworben hätten, ohne dass es überhaupt eine Sprachschule gab. „Als sich dann Interessenten meldeten, wurde mal eben ein Lehrer angeheuert und ein Hotelzimmer reserviert“, sagt Schröder. Um vom strengeren deutschen Reiserecht geschützt zu werden, sollten Interessenten über hiesige Veranstalter buchen.

Rund 600 Schulen hat Schröder bereits getestet. Der Prüfer nimmt am Unterricht teil, spricht mit Schülern und Lehrern. Als Grundlage dient ihm die EU-Norm DIN EN 14804 für Sprachreiseveranstalter, die Qualitätsmaßstäbe für den Unterricht, aber auch für die Unterbringung und das Freizeitprogramm setzt. „Bevor jemand eine Reise bucht, sollte er sich erkundigen, ob sein Veranstalter die Kurse auf Basis dieser EU-Norm anbietet“, betont Schröder. Veranstalter wie Carl Duisberg, Alfa- und Dialog-Sprachreisen beispielsweise erfüllen die strengen Auflagen. Schon bei der Wahl des Reiseziels lassen sich Weichen stellen. Um beispielsweise übervollen Kursen und Unterkünften in beliebten Urlaubsländern wie Malta zu entgehen, rät Barbara Engler von der Aktion Bildungsinformation (ABI), auf Schulen in Großbritannien und Irland auszuweichen. Die unabhängige Stuttgarter Prüfstelle setzt sich ebenfalls für mehr Transparenz in Sachen Sprachreisen ein.

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