Business School-Ranking
Personaler rekrutieren am liebsten bei Wharton

Welche sind die besten Business Schools der Welt? Zum dritten Mal fragte das „Wall Street Journal“ Unternehmen nach ihrer Einschätzung.

Was fängt man mit einer Rangliste der besten Business Schools der Welt an, auf der die europäischen Top-Schulen IMD (Lausanne) und INSEAD (Fontainebleau/Singapur) nicht vorkommen? Vor diese Frage stellt das diesjährigen Business School-Ranking der Handelsblatt-Partnerzeitung Wall Street Journal, das wir hier exklusiv für Deutschland veröffentlichen.

Zwar retten sozusagen die London Business School (Platz 39) und einige wenige andere (Instituto de Empresa, ESADE, HEC Paris) die europäische Ehre, sonst ist aber auch in diesem Jahr die Top 50-Liste eine US-amerikanische Angelegenheit.

Als weltbeste Business School darf sich nach dem Wall Street Journal-Ranking die Wharton School der University of Pennsylvania in Philadelphia fühlen, die auch auf anderen Ranglisten ganz oben steht. Sie „schlägt“ heuer die Tuck School of Business (Dartmouth College), die in den letzten beiden Jahren auf Platz 1 lag.

Wieder einmal zeigt sich, was auch für die anderen maßgeblichen Business School-Rankings (Financial Times, Business Week) gilt: Solche Ranglisten haben keine absolute Wahrheit; Grundgesamtheit, Auswahlkriterien und Gewichtung bestimmen sehr weitgehend das Ergebnis. Das heißt nicht, dass solche Ranglisten von vorneherein unsinnig sind. Nur sind sie für den Orientierung suchenden MBA-Interessenten nur dann eine Hilfe, wenn er sie auch richtig versteht.

Als die führende US-Wirtschaftszeitung vor zwei Jahren zum ersten Mal ein Business School-Ranking herausbrachte, kam das einer Revolution gleich (siehe Handelsblatt vom 4.5.2001). Die großen Namen der US-MBA-Szene, die allgemein als die führenden Business Schools galten, sahen sich auf hinteren Plätzen wieder, kleine und weniger renommierte Schulen schossen nach oben.

Der Grund für diese Umkehrung der etablierten Verhältnisse liegt in der besonderen Methodik des von dem Meinungsforschungsinstitut Harris Interactive entwickelten Rankings. Befragt werden - nach einem Multikriteriensystem - ausschließlich Personaler, die an Business Schools rekrutieren. Das zu Grunde liegende Argument hierfür ist brutal einfach: Wer MBA-Absolventen einstellt, der bestimmt auch, nach welche Kriterien er aussucht. Der Master of Business Administration (MBA) ist kein akademischer Titel, sondern ein Karrieresprungbrett. Sein (Markt-)Wert berechnet sich deshalb nach den mit ihm verbundenen Karrierechancen. Und über die entscheiden die Unternehmen.

Das Wall Street Journal-Ranking spiegelt also in erster Linie wider, welche Qualifikationen US-Unternehmen heute von angehenden Top-Managern erwarten und an welchen Schulen sie dafür bevorzugt suchen.

Hier werden auch aktuelle Trends relevant. So wurde bei den über 2 000 befragten Anwerbern in diesem Jahr zum ersten Mal das Auswahlkriterium „personal ethics and integrity“ abgefragt, Zeichen dafür, dass den US-Unternehmen in der Folge der großen Unternehmensskandale à la Enron die moralische Integrität ihrer Bewerber mit einem Male wichtig geworden ist. Umgekehrt ist erstaunlicherweise das Kriterium „ability to drive results“ fallen gelassen worden.

Solche kleinen Veränderungen der Auswahlkriterien können große Folgen bei der Platzierung haben. So erklärt sich der erste Platz der Wharton School nicht zuletzt daraus, dass die Schule schon seit Jahren Kurse in „business ethics“ anbietet. Hoch im Kurs bei Rekrutierern standen in diesem Jahr auch wieder mehr analytische Fähigkeiten und solide Kenntnisse im Rechnungswesen, was wiederum Wharton aber auch der University of Chicago Graduate School of Business Punkte brachte.

Spöttisch könnte man anmerken, dass das Wall Street Journal-Ranking nicht nur widerspiegelt, was der Arbeitsmarkt will, sondern nicht zuletzt auch, wie Recruiter von den Business Schools und Bewerbern behandelt werden.

Das erklärt zwei Phänomene: Zum einen liegen in diesem Jahr anders als beim ersten Wall Street Journal-Ranking nur große Schulen auf den vorderen Plätzen: In schwierigen Zeiten besuchen die Anwerber weniger Schulen, und an großen Schulen werden sie wegen der höheren Absolventenzahl auch leichter fündig. Zum anderen gibt es eine Art Arroganz-Malus: Die schon fast sprichwörtliche Harvard-Arroganz oder die überzogenen Ansprüche von Stanford-Studenten gefallen nicht; die Schulen „bezahlen“ es mit schlechten Rangplätzen.

Wie entscheidend die Definition der Auswahlkriterien ist, zeigt eine einfache „Rechenübung“. Nimmt man als statistische Grundgesamtheit nicht sämtliche 2 191 für dieses Ranking befragten Personaler, sondern nur die 438 als „international“ eingestuften, also nicht-US-amerikanischen, kommt man zu einer spektakulär anderen Rangfolge.

Als weltbeste Schule erscheint dann plötzlich die London Business School, gefolgt von gleich fünf spanischsprachigen Schulen: ITESM in Monterrey (Mexico), Instituto de Empresa, IESE und ESADE (alle Spanien) und IPADE (Mexico). Auf Platz 8 läge INSEAD, gefolgt von HEC Paris. „Das Ergebnis ist verblüffend“, kommentiert das Wall Street Journal. „Keine einzige US-Schule befände sich unter den Top 10!“ Gleichwohl sollten auch diese Ergebnisse der „internationalen Rangliste“ nicht wirklich erstaunen, denn über ein Drittel der befragten Personalsucher sind in Spanien oder Mexico ansässig. Kein Wunder also, dass die spanischsprachigen Schulen so gut „wegkommen“.

„Business Schools lieben Rankings, auf denen sie gut wegkommen, und kritisieren die anderen“, kommentiert salomonisch Peter Lorange, Präsident von IMD in Lausanne. Die europäische Top-Schule kommt, „bestraft“ durch ihre Kleinheit, im Wall Street Journal- Ranking überhaupt nicht vor. Mit nur 90 MBA-Absolventen pro Jahrgang ist sie für US-Recruiter nicht interessant genug; die Zahl der Antworten war deshalb statistisch nicht relevant.

Doch solche Ranglisten sind für die betroffenen Schulen mittlerweile extrem wichtig geworden. Aus Studentenbefragungen ist bekannt, dass das Abschneiden auf einem der einflussreichen Rankings fast das wichtigste Kriterium für die Wahl einer bestimmten Schule ist. Und die kann dann nicht nur aus einem größeren Pool hoch qualifizierter Kandidaten ihre MBA-Studenten auswählen, sondern auch höhere Gebühren für ihre Programme verlangen.

So erstaunt es nicht, dass Valérie Gauthier, die neue MBA- Programm-Chefin an HEC Paris im Handelsblatt-Gespräch erklärte: „Mein Ziel ist es, dass HEC in den nächsten Jahren auf den wichtigen Rankings im europäischen Vergleich auf den ersten fünf Plätzen liegt.“ Da wird man in diesen Tagen in Paris möglicherweise die Champagnerkorken knallen lassen: HEC hat es in diesem Jahr zum ersten Mal auf die Wall Street Journal-Rangliste geschafft.

Doch die Wirkung der einflussreichen Business School-Rankings geht über die Orientierungsfunktion für MBA-Interessenten hinaus. Eine laufende Studie der Cranfield University School of Management, deren erste Ergebnisse dem Handelsblatt vorliegen, zeigt, dass Business Schools ihre Curricula den Kriterien der maßgeblichen Rankings anpassen. Eine ungute Entwicklung, weil sie zu einer Homogenisierung des Angebots führt, finden auch Joyce Doria, Horacio Rozanski und Ed Cohen vom Beratungsunternehmen Booz Allen.

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