Centrum für Hochschulentwicklung
Studienkredite im Test

Kurz vor der Einführung von Studiengebühren durch einige Bundesländer gibt es ein vielfältiges Angebot an Studienkrediten. Mangelware sind allerdings Modelle, die Leistung honorieren oder die Rückzahlung an das Einkommen koppeln. Eine Studie des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) in Gütersloh hat die 41 Angebote untersucht.

BERLIN. Angesichts der „erstaunlichen Breite an interessanten Modellen glaube ich nicht, dass die Zahl der Studienanfänger wegen der Gebühren sinken wird“, sagte CHE-Chef Detlef Müller-Böling. Diverse CDU-regierte Bundesländer haben die Einführung von Studiengebühren beschlossen, die Höchstgrenze liegt derzeit bei 500 Euro pro Semester. Die soziale Abfederung war eine Bedingung der Bundesverfassungsrichter, als sie im Januar 2005 das Verbot von Studiengebühren kippten. Neben sechs bundesweiten Angeboten (siehe Tabelle) gibt es neun landesweite Kredite. Dazu listet das CHE 26 lokale Angebote auf, vor allem die der Sparkassen und Raiffeisenbanken.

Sehr breit ist das Spektrum bei Kosten und maximaler Kreditsumme sowie bei der Risikobegrenzung oder der Flexibilität. So ist das Angebot der KfW zwar relativ günstig, die Zahlung setzt jedoch bei Auslandssemestern aus. Der Kredit der Dresdner Bank hingegen kann im Ausland sogar ausgeweitet werden, ist aber relativ teuer, heißt es in der Studie des CHE, einem Think-Tank von Bertelsmann-Stiftung und Hochschulrektorenkonferenz.

 Ergebnisse des Studienkredite-Tests

Die Zielgruppen sind sehr unterschiedlich: Während Sparkassen und Volks- und Raiffeisenbanken alle Studenten im Blick haben, richtet sich Career Concept an die „High-Potentials“, die denn auch das umfangreichste Auswahlverfahren hinter sich bringen müssen. Das Angebot der staatseigenen KfW ist auf Studenten ausgerichtet, die weder Bafög bekommen noch von den Eltern unterstützt werden. Die Förderbanken der Länder ergänzen vor allem das Bafög, decken jedoch nur die Studiengebühren ab.

Erfreulich findet das CHE, dass eine tilgungsfreie Phase nach dem Studium Standard ist. Fast alle Institute ermöglichten zudem Sondertilgungen. Deutsche Studenten kommen in der Regel sehr leicht an einen Kredit, nicht aber ausländische. In der Regel wird nur eine Schufa-Auskunft verlangt. Zur Absicherung wird häufig eine Restschuldverschreibung, Kredit- oder Risikolebensversicherung verlangt. Sicherheiten, die ein Student selbst nicht bieten kann, wie Elternbürgschaften, sind dagegen die Ausnahme. Mit zusätzlichen Sicherheiten sei es jedoch oft möglich, die Kosten zu senken – viele kleinere Banken seien hier sehr flexibel.

Die Möglichkeiten, Auszahlungen und Rückzahlungen flexibel zu gestalten, „scheinen sehr hoch“, schreiben die CHE-Experten. Ein Bonbon bietet hier die Dresdner, die das Darlehen in Form eines Kontokorrent-Kredits anbietet.

Kritisch wertet das CHE, dass gute Leistungen den Studenten kaum einen Kreditvorteil bringen. Eine Ausnahme ist auch hier die Dresdner Bank, die sowohl eine bestimmte vorangegangene Ausbildung als auch gute Noten mit günstigeren Konditionen honoriert. Daneben vermisst das CHE Angebote, die die Höhe der Rückzahlung an das Einkommen koppeln. Eine Ausnahme biete Career Concept und die Volksbank Bad Waldsee.

Eine Deckelung der Verschuldung bieten nur staatliche oder staatsnahe Institute. So begrenzen etwa die Förderbanken der Länder die Rückzahlungshöhe für Bafög-Empfänger und garantieren ab einer gewissen Förderhöhe einen weitgehenden Schuldenerlass. Bei keinem Anbieter verfällt die Schuld zu einem bestimment Zeitpunkt, wie dies manche Nationen teilweise mit Staatsgeldern ermöglichen.

Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.
Barbara Gillmann
Handelsblatt / Korrespondentin
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%