Chefetage
Frauen fahren ihre Krallen aus

Das Gesicht der amerikanischen Chefetagen trägt heute mehr Make-up denn je zuvor. Dass immer mehr Frauen die Rolle des Big Boss übernehmen, ist nicht erst seit Ebays Meg Whitman und Indra Nooyi von Pepsi bekannt. Doch die Damen in den Führungspositionen bekämpfen sich lieber untereinander, statt zu kooperieren.

LOS ANGELES. Mit dem lange überfälligen Vormarsch von Managerinnen schleicht sich ein neues Problem in die Chefetagen ein: Erfolgreiche Frauen fahren im Büro die Krallen gegeneinander aus. In den USA ist der so genannte Catfight-Faktor in aller Munde – auf Deutsch wohl am besten mit Stutenbissigkeit zu übersetzen.

Judith Sills, Psychologin und Bestsellerautorin aus Philadelphia, beobachtet: „Frauen stellen sich immer häufiger gegenseitig ein Bein. Sie solidarisieren sich nicht, sondern versuchen, sich untereinander auf dem Weg nach oben auszuschalten.“ Sills untersuchte die These, ob Frauen noch eifersüchtiger auf den Erfolg ihrer Geschlechtsgenossinnen sind, als Männer. Frauenexpertin und Bestsellerautorin Nan Mooney ist ebenfalls davon überzeugt: „Frauen, die auf der Karriereleiter nach oben steigen, werden von anderen Frauen nicht als Komplizin, sondern als Bedrohung gesehen.“

Das erlebte zum Beispiel Conny Aktursek, als ihr in einer Werbeagentur in Los Angeles plötzlich eine Frau als Chef vor die Nase gesetzt wurde: „Ich war über meine Reaktionen selbst überrascht. Ständig habe ich versucht, neue kritische Punkte an meiner Chefin zu finden. Immer wieder habe ich mich dabei ertappt, wie ich schlecht über sie in der Kantine zu sprach.“ Für Sills ein ganz typisches Verhalten. Auch Robert Bornstein, Psychologe an der Adelphi University in Long Island, New York, urteilt: „Frauen gehen in der Geschäftswelt oft kritischer mit anderen Frauen um als mit Männern.“ Und: „Sie sind es gewohnt, gerade in einer männerdominierten Geschäftswelt noch härter aufzutreten als ihre Anzug tragenden Kollegen.“

Eigentlich lächerlich. Denn Frauen, die am Arbeitsplatz keine Konkurrentin neben sich dulden, nur auf sich selbst fokussiert sind und darüber das größere Ziel – den Erfolg im Job – aus den Augen verlieren, „sind ein gefundenes Fressen für jeden männlichen Manager“, bedauert Bornstein.

Für dieses Konkurrenzverhalten, das zu typisch weiblichen Managerfehlern führt, wird oft dieses Argument angeführt: Frauen sind anders sozialisiert. „Seit Urzeiten mussten Frauen mit anderen Frauen im Wettkampf um die Ressourcen, die Männer besorgen konnten, treten. Das war notwendig, um das Überleben der eigenen Kinder zu sichern. Und dieser Instinkt hat sich bis heute ins Büro fortgepflanzt“, weiß Psychologin Sills.

Zum anderen haben Frauen in der heutigen Gesellschaft noch immer eine gewisse Rollenerwartung zu erfüllen. Sie treten in Wettkampf mit Männern in der Geschäftswelt, müssen aber gleichzeitig als Matriarchin der Familie fungieren – ein schwieriger Spagat. Den Männern auf der anderen Seite fällt es heute in der Geschäftswelt noch immer leichter, als Mentor für eine weibliche unerfahrenere Kollegin aufzutreten. Das Stereotyp, dass Frauen sich im Büro nicht um Frauen kümmern, wird somit aufrechterhalten.

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