Dass Unternehmen von manchen Behörden noch lernen können, will ein Preis der Bertelsmann-Stiftung beweisen
Auch Sonntags gerne in die Amtsstube

Gesucht wird: Eine Behörde, von der Unternehmen noch etwas lernen können. Eine Behörde, die Bürger wie Kunden behandelt. Die einen neuen Pass innerhalb von ein paar Stunden statt erst in Wochen ausstellt. Die Gebühren zurück erstattet, wenn etwas nicht so schnell klappt wie es sollte.

HB DÜSSELDORF. Mit Mitarbeitern, die nach Leistung bezahlt werden. Und die so motiviert sind, dass sie auch Sonntags gerne im Büro erscheinen, weil sie manche ihrer Kunden nur dann anrufen können. Und mit Vorgesetzten, die über ihre Abteilung nicht herrschen wie ein Landvogt, sondern mit den Ihren auf Augenhöhe diskutieren und sich sogar Kritik gern gefallen lassen.

So etwas gibt es? Offenbar schon. Die Bertelsmann-Stiftung zeichnet in diesem Jahr Behörden für Unternehmenskultur und Effizienz ihrer Dienstleistung aus. Mit auf die Suche ging die Münchner Unternehmensberatung Booz Allen Hamilton. Das erstaunliche Ergebnis: Von vielen Ansätzen, die die Juroren fanden, können sich auch Privatfirmen eine Scheibe abschneiden.

Wie schaffen es große Ämter, sich so fundamental zu wandeln, dass sie diesem Ideal möglichst nahe kommen, lautete die entscheidende Frage. Dabei spielte die Unternehmenskultur für die Jury zwar eine große Rolle, so Oliver Haubner, Projektmanager bei der Bertelsmann-Stiftung, „aber gute Laune allein reicht eben nicht. Die Effizienz muss auch stimmen.“

Zum Beispiel bei Bertil Mahs Arbeitgeber in Dänemark. Der Projektmanager im Gesundheitswesen der Regionalverwaltung von Aarhus hat die Bewerbung seiner Behörde um den Carl Bertelsmann-Preis organisiert. Das Amt ist für die Versorgung von 640 000 Menschen mit Dienstleistungen in den Bereichen Gesundheit, Soziales, Erziehung und Bildung, Kultur und Wirtschaftsförderung verantwortlich.

Dass Mahs und seine fast 21 000 Kollegen bei der Preisverleihung als Top-Favorit gelten, hat vor allem zwei Gründe. Da ist zum einen die Unternehmenskultur, die der Bertelsmann-Jury auffiel: „Diese Verwaltung hat es geschafft, dass sich vom Sachbearbeiter über den Oberarzt bis zur Verwaltungsspitze jeder als Teil einer Einheit betrachtet.“ Dieses Wir-Gefühl wirkt sich direkt auf die Arbeit aus, glaubt Bertil Mahs. „Denn wie wir uns gegenseitig behandeln, so gehen wir auch mit unseren Kunden um.“ Darauf können die meisten Unternehmen nur neidisch blicken.

Auch bei der Effizienz sind die Dänen Spitze. Interne Leistungsmessungen ermitteln regelmäßig, wie sich Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheit entwickeln. Außerdem stellen sich die Krankenhäuser aus Aarhus jedes zweite Jahr einem Vergleich mit Kliniken anderer Kreise – mit großem Erfolg.

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