Debatte um Promotionsrecht
Universitäten halten Fachhochschulen bei Promotionen auf Distanz

Während die deutschen Fachhochschulen und Universitäten sich durch Reformen immer ähnlicher werden, werden Stimmen laut, die einen absoluten Tabubruch fordern: Das Recht auf den Doktortitel sollen sich Studierende in Zukunft auch an FHs erarbeiten können. Die Universitäten fürchten um ihren Status.

BERLIN. Der Streit um das Promotionsrecht spitzt sich zu. Das bislang den Universitäten vorbehaltene Exklusivrecht, Akademiker zum Doktor zu küren, darf keinesfalls auf Fachhochschulen und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen ausgedehnt werden, fordert der Verband der neun führenden Technischen Hochschulen TU9. Gerade bei Ingenieuren sei es „der falsche Weg“, Fachhochschulen (FH) und Unis immer mehr anzugleichen, warnen die TU-Präsidenten. Es gehe darum, die Qualität des international renommierten Doktorgrads zu sichern. Das Promotionsrecht gilt den TU-Präsidenten als „letzte Bastion“, um forschungsorientierte Ausbildung der Unis von der praxisorientierten der FH zu trennen. Promotionsrecht für die Konkurrenz „wäre der Dammbruch“, warnt TU9-Präsident und Chef der Uni Karlsruhe, Horst Hippler.

Hintergrund ist eine fortschreitenden Angleichung von Unis und FH in den letzten Jahren – zuletzt durch die Einführung von Bachelor- und Masterabschlüssen an allen Hochschulen. Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) legte ein eigenes Forschungsprogramm für die früheren Ingenieurschulen auf – in den Augen der TU9 schlecht angelegtes Geld. Etwa in Hamburg und Baden-Württemberg pochen FH-Chefs zudem auf ein Promotionsrecht. Theoretisch können gute FH-Absolventen heute an Unis promovieren, praktisch funktioniert es nicht, kritisiert der FH-Sprecher in der Hochschulrektorenkonferenz, Andreas Geiger.

Schavan macht sich daneben für ein Promotionsrecht außeruniversitärer Forschungseinrichtungen stark. Bisher sind die gut dotierten Max-Planck- und Fraunhofer-Institute sowie die der Helmholtz- und der Leibniz-Gemeinschaft, die vielfach die Speerspitze der Forschung bilden, auf den Nachwuchs aus den Hochschulen angewiesen. Bekämen sie auch noch das Promotionsrecht, „würde ihre Motivation zur Kooperation mit den Hochschulen weiter sinken“ warnt Hippler. Generell gilt die Spaltung der deutschen Forschung in universitäre und außeruniversitäre als großer Standortnachteil, der etwa im Rahmen der Exzellenzinitiative bekämpft wird. Daher dürfte man die Unis beim Promotionsrecht auch nicht „völlig koppeln“, sagte Schavan dem Handelsblatt.

Daneben wenden sich die TU9 gegen eine Verschulung der Promotion bis hin zu einem Promotionsstudium. Würden etwa Graduiertenschulen der Normalfall, schade das in den Ingenieurwissenschaften massiv der Zusammenarbeit mit der Industrie. „Unternehmen, für die Doktoranden bisher forschen, würden sich zurückziehen“, warnt Hippler.

Die neuen Graduiertenschulen sollen die Ausbildung der oft isolierten Doktoranden strukturieren, effektiver und unabhängiger vom einzelnen Doktorvater machen. Zwar sei die traditionelle Promotion „sicher verbesserungsbedürftig“, sagte der Präsident der Uni Hannover, Erich Barke, zwangsweise Verschulung dürfe aber nicht sein. Das wollen deutsche Wissenschaftsminister auf der diese Woche in London tagenden Bologna-Konferenz der europäischen Wissenschaftsminister verhindern. Der „Bologna-Prozess“ will den europäischen Hochschulraum vereinheitlichen.

Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.
Barbara Gillmann
Handelsblatt / Korrespondentin
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