Deckelung
Üppige Abfindungen sind passé

Ausufernde Abfindungen für Vorstände haben in den vergangenen Monaten die Gemüter erregt, speziell wenn die Manager schlechte Arbeit geleistet haben. Die Komission Corporate Governance will dem Treiben einen Riegel vorschieben, indem sie die Höhe der Abfindungen deckelt. Die Lösung ruft aber bereits Widerstand hervor.

DÜSSELDORF. Die Regierungkommission Corporate Governance unter Leitung des Thyssen-Krupp- und Siemens-Aufsichtsratschefs Gerhard Cromme will Abfindungen für Manager auf maximal zwei Jahresgehälter begrenzen. Eine entsprechende Anregung wird in den Governance-Kodex aufgenommen, berichtete die Kommission am Donnerstag im Anschluss an ihre Plenarsitzung.

Damit ändert die Kommission erneut die Regeln entgegen Crommes Credo, die Regeln zur guten und transparenten Unternehmensführung nicht ständig zu erneuern. Cromme selbst war es sogar, der die Deckelung von Abfindungen vorantrieb. Begründet wird die neue Anregung jetzt nicht. Cromme sagte nur, dass der Kommission solche Abfindungs-Caps „sehr wichtig“ sind. Anregungen sind allerdings die weiche Form der Kodex-Regeln. Die schärferen werden Empfehlungen genannt.

Im Kodex wird es künftig heißen: „Bei Abschluss von Vorstandsverträgen sollte darauf geachtet werden, dass Zahlungen an ein Vorstandsmitglied bei vorzeitiger Beendigung der Vorstandstätigkeit (...) den Wert von zwei Jahresvergütungen nicht übersteigen.“ Auf keinen Fall solle mehr als die Restlaufzeit des Vertrags gezahlt werden – inklusive aller Nebenleistungen.

„Nicht praktikabel“

Wirtschaftsprofessor Michael Adams hält die neue Regel „nicht für praktikabel“ weil damit beispielsweise Optionen kaum erfasst werden können. Nach seiner Ansicht „müssen die astronomischen Vergütungen gekappt werden“. Der absolute Betrag sei wichtig, nicht die Relation. Nikolaos Paschos, Partner bei Linklaters, geht davon aus, dass Caps für Abfindungen auf jeden Fall bei neuen Vorstandsverträgen die Regel werden. „Dax-Gesellschaften werden sich jetzt schwer tun, die Anregung der Kommission zu ignorieren.“ Paschos glaubt aber auch, dass es unter den Vorständen keinen großen Widerstand geben wird.

Die Deckelung betrifft auch so genannte Change in Control Klauseln. Danach erhalten Manager zusätzliche Abfindungen, wenn der Eigentümer des Unternehmens wechselt und die Vorstände gehen müssen. Der Governance-Kodex regt nun an, dass solche Sonderzahlungen „150 Prozent des Abfindungs-Caps nicht übersteigen“ sollten.

Skandale zwingen zum Handeln

Auch die Skandale in einigen deutschen Konzernen veranlassten die 13köpfige Kommission offensichtlich, Fragen der Unternehmenskontrolle zu präzisieren. Unter anderem zählt es nun zu den Pflichten eines Vorstands, den Aufsichtsrat nicht nur über die Geschäftsentwicklung, sondern auch über die Compliance zu unterrichten. Aufgabe des Vorstands sei es, „für die Einhaltung der Bestimmungen und der unternehmensinternen Richtlinien zu sorgen.“ Kommissions-Chef Cromme hat gerade bei Siemens in dieser Frage sträfliche Versäumnisse feststellen müssen.

Der Kodex empfiehlt künftig zudem allen Aufsichtsräten die Einführung eines Nominierungsausschusses zur Bestellung neuer Aufsichtsräte für die Kapitalseite. Dessen Ziel sei es, die Qualifikation der Kandidaten und die Transparenz des Auswahlverfahrens zu verbessern, hieß es im Anschluss an die Kommissionssitzung.

Dieter Fockenbrock
Dieter Fockenbrock
Handelsblatt / Chefkorrespondent
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