Dem Jobabbau zum Trotz
Bei Bankern stimmt die Kasse

Trotz des seit Jahren anhaltenden massiven Stellenabbaus bleiben die Verdienst- und die Aufstiegschancen bei Finanzdienstleistern wie Banken und Versicherungen attraktiv. Top-Leute bleiben von Entlassungen meist verschont, und bei Privatbanken dürfte das Einsparpotenzial ausgereizt sein.

FRANKFURT. 1 500 Euro netto gibt’s auf die Hand – für jeden neuen Mitarbeiter, den ein Citibanker seinem Unternehmen empfohlen hat. Seit fünf Jahren betätigen sich Citibanker nebenher erfolgreich als Jobvermittler – und das in Zeiten, in denen die meisten Finanzdienstleister ganz andere Schlagzeilen machen: Die Deutsche Bank baut Tausende von Jobs ab trotz Milliardengewinn, die Allianz schließt elf Standorte und streicht 7 500 Arbeitsplätze, Gerling/HDI will 1 800 Stellen abbauen. Die Liste ist lang.

„Gegen den Branchentrend stellt die Citibank kontinuierlich weiter ein. In den letzten fünf Jahren haben wir 1 200 Arbeitsplätze geschaffen und die Mitarbeiterzahl auf 6 600 erhöht“, berichtet Knut Krämer, Leiter Personalmarketing der Privatkundenbank stolz. In diesem Jahr schafft die US-Bank 300 weitere Jobs – für 200 Auszubildende und 100 Anlage- und Vermögensberater. Das Besondere dabei: Jeder fünfte Neuling wurde von den eigenen Leuten angeworben. Krämer: „Keine Stellenanzeige kann die Citibank so authentisch beschreiben wie ein Mitarbeiter – der noch dazu sehr gut abschätzen kann, ob wir die Erwartungen des Bewerbers erfüllen können und umgekehrt.“ Weil das Anwerbeprogramm so gut läuft, hat die Bank die Prämie im vergangenen Jahr gar verdoppelt.





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Doch bildet die Citibank zusammen mit wenigen anderen Auslandsinstituten die krasse Ausnahme. Fakt ist: Im deutschen Kreditgewerbe sank in den letzten zehn Jahren die Zahl der Stellen von knapp 780 000 auf 693 000, ermittelte der Arbeitgeberverband des privaten Bankgewerbes. In der Versicherungsbranche sieht es kaum besser aus: Dort fällt in den nächsten zwei Jahren fast jeder zehnte der 233 000 Jobs weg, schätzt zumindest die Gewerkschaft Verdi.

„Auf der Streichliste von Banken und Versicherungen standen vor allem die klassischen Back-Office-Jobs“, erläutert Hans-Rudolf Ulrich, Finanzdienstleistungsexperte der Managementberatung Kienbaum. Denn hinter den Kulissen kommt es auf die Marke nicht mehr an. Die Postbank etwa übernahm die Zahlungsverkehrsabwicklung von Deutscher Bank und Dresdner Bank. Zudem fusionierten viele Institute und mutierten zu regelrechten Kreditfabriken. „Vor allem filialorientierte Banken haben viele entlassen“, beobachtet Heinz-Dieter Sauer, Geschäftsführer beim Bankarbeitgeberverband. Und bei den Sparkassen und Genossenschaftsbanken steht der einschneidende Strukturwandel noch bevor. Dort dürfte der Jobabbau erst richtig losgehen.

Trotz allem täuschen viele Horrormeldungen über die Jobkiller auf den ersten Blick. Zwar fielen zahllose Stellen bei den Finanzdienstleistern selbst weg. Diese wurden aber oft an banknahe Dienstleister outgesourct, so die IT oder Gehaltsabrechnung. Die Deutsche Bank etwa lagerte ihr kontinentaleuropäisches Rechenzentrum an IBM aus. Inzwischen aber sind die Einsparpotenziale beim Personal der Privatbanken ausgereizt, warnen Branchenkenner.

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