Deutsche Bank muss zahlen
Millionen-Entschädigung für Mobbing-Opfer

Die Deutsche Bank muss einer ehemaligen Angestellten in London wegen jahrelanger Schikane durch Kollegen umgerechnet rund 1,2 Millionen Euro Schadensersatz zahlen.

HB LONDON. Helen Green sei Opfer "einer vorsätzlichen und abgestimmten Kampagne des Mobbings" anderer Mitarbeiter gewesen, sagte der Vorsitzende Richter am Dienstag in London. Die Klägerin, die von 1997 bis 2003 bei Deutschlands größtem Geldhaus angestellt war, hatte in dem Verfahren von geschmacklosen, vulgären und boshaften Bemerkungen ihrer Kollegen berichtet. Sie habe sich schließlich mehr und mehr zurückgezogen und im Stillen geweint.

Die Deutsche Bank hatte die Vorwürfe stets zurückgewiesen. Sie erklärte am Dienstag, sie akzeptiere die Entscheidung des Gerichts. Ob Berufung eingelegt werde, sei noch offen.

Schadensersatzklagen sind in der Londoner Finanzwelt keine Seltenheit - meist geht es um Mobbing oder den abfälligen Umgang mit Untergebenen. So hatte ein hochrangiger Mitarbeiter bei der Broker-Firma Cantor Fitzgerald 2003 Zahlungen durchgesetzt, nachdem ihn sein Chef mit permanenten Beleidigungen zur Kündigung gebracht hatte. Zu Jahresanfang hatten zudem mehrere Beschäftigte der Investmentbank Dresdner Kleinwort - bis vor kurzem Dresdner Kleinwort Wasserstein - eine milliardenschwere Diskriminierungsklage angekündigt.

In dem Verfahren um die Deutsche Bank hatte die Klägerin berichtet, sie habe in einer "Abteilung der Hölle" gearbeitet und sei von "einer Bande" von Frauen schikaniert worden. Ein Kollege habe sie zudem sexistisch und herablassend behandelt.

"Wie auch immer man es betrachtet, das Verhalten dieser Frauen war unterdrückend und unzumutbar", entschied der Richter. Nach seiner Auffassung hat die Deutsche Bank gegen ihre Pflicht verstoßen, sich um die Mitarbeiterin zu kümmern und solche Situationen im Vorfeld auszuschließen.

Nach zwei Nervenzusammenbrüchen war Greens Vertrag im September 2003 aufgehoben worden. Die Sekretärin hatte bereits zwei Jahre zuvor aufgehört zu arbeiten. Sie erhält insgesamt 817.317 Pfund. Dieser Betrag umfasst unter anderem Ersatz für verlorene Gehälter, Wiedergutmachung für psychische Schäden, den Verlust von Pensionsansprüchen sowie Arzthonorare.

Green, die sich künftig der Wissenschaft widmen will, zeigte sich zufrieden mit dem Urteil. Sie habe mit dem Verfahren ein in London weit verbreitetes Thema auf den Tisch gebracht, sagte sie. "Mein Fall ist kein Einzelfall."

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