Deutsche Wirtschaftsprüfer lernen IAS oder machen sogar den US-Abschluss CPA
Old Germany und internationale Rechnungslegung

Im internationalen Vergleich sehen deutsche Wirtschaftsprüfer (WP) ziemlich alt aus. Kaum jemand, der als examinierte Kraft jünger als 32 Jahre ist. Schuld sind – trotz bisheriger zarter Reformen – die langen Ausbildungszeiten.

Die Berufsstarterbiografie gestaltet sich normalerweise so: BWL-Diplom, dann sechs Jahre Vollzeitjob als Prüfungsassistent und Steuerberater, nebenher lernen - zunächst für das Steuerberater-Examen, dann für den WP-Abschluss. Doch den gibt's oft nicht im ersten Anlauf: Die Durchfallquote im WP-Examen für Steuerberater liegt bei 50 Prozent. „Bei Kandidaten für das Vollexamen inklusive Steuerrecht munkelt man gar von 90 Prozent“, sagt ein frisch gebackener WP, der namentlich nicht genannt werden will. Diskretion muss schon sein.

Es ist eine der aufwändigsten und schwierigsten Prüfungen überhaupt. Umso ärgerlicher, wenn Absolventen, die nach Plan ihren Abschluss gemacht haben, feststellen müssen, dass, allen Qualen zum Trotz, ein Kompetenzloch klafft: Allein mit dem Handelsgesetzbuch (HGB) in der Hand kommt man inzwischen nicht mehr weit. In einer globalisierten Wirtschaft ist es wesentlich, fit in internationaler Rechnungslegung nach IAS/IFRS und US-GAAP zu sein.

Denn die setzt sich mehr und mehr durch. Ab 2005 müssen so gut wie alle börsennotierten EU-Unternehmen nach IAS bilanzieren. Doch auch die kleinen unt mittleren kleinen und mittleren Unternehmen kommen unter Zugzwang: Entweder, weil sie im SMAX börsennotiert sind oder sich für ausländische Investoren oder Ratings oder im Zuge einer externen Nachfolgeregelung für ein neues Management aufhübschen wollen. Damit schlägt die Stunde des Certified Public Accountant (CPA), gewissermaßen der US-amerikanischen Variante eines WPs, der sich mit internationalen Standards bestens auskennt.

Denn daran hapert hierzulande. Peter Leibfried, Vorstand der FAS AG und Vorstandssprecher der German CPA Society, sieht die Branche nur schlecht vorbereitet: „Es geht bei der internationalen Rechnungslegung nicht um fünf neue Regeln, sondern um einen komplett neuen Ansatz, der ähnlich komplex ist wie das deutsche Steuerrecht. Das wird von Prüfern und Unternehmern unterschätzt.“ Hinzu komme, dass die Regeln allein in Fachenglisch vorliegen und sich ständig ändern, also nachgehalten werden müssen.

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