Die Branche profitiert vom dynamischen Strukturwandel in der deutschen Wirtschaft
Headhunter: Die Jagd geht weiter

Die Umsatzrekorde des Jahres 2000 mit dem Boom am Neuen Markt werden die Personalberater kaum wiederholen können. Aber auch für dieses Jahr sind die Aussichten nicht schlecht.

DÜSSELDORF. Amerikanische Headhunter redeten in den vergangenen Jahren nur ungern über ihre Geschäfte in Europa. Der Alte Kontinent mit den von Land zu Land wechselnden Gepflogenheiten galt als schwieriges Terrain. Seit kurzem ist das anders. So ging Patrick S. Pittard, Chef des Personalberatungskonzerns Heidrick & Struggles International, bei der Präsentation der Geschäftszahlen für das erste Quartal 2001 in Chicago ganz ausführlich auf die Entwicklung in Europa ein.

Kein Wunder: Die Umsätze in allen Metropolen der Welt, wo Heidrick & Struggles vertreten ist, fielen im Vergleich zum Vorjahr deutlich zurück. In Nordamerika etwa schrumpfte das Geschäft um über sechs Prozent. Dagegen konnte Pittards Beratertruppe in den europäischen Büros um gut ein Viertel im Vergleich zum Quartal des Vorjahrs zulegen. Wechselkursbereinigt fiel das zwischen Madrid und Moskau erzielte Umsatzplus sogar noch höher aus. In europäischen Landeswährungen gerechnet legte Heidrick & Struggles satte 35 Prozent zu.

Einer der wichtigsten Märkte für das Geschäft mit der Suche nach Managern ist Deutschland. Nach Angaben des Bundesverbands Deutscher Unternehmensberater, Bonn, kassierten die Consultants im vergangenen Jahr 2,25 Milliarden Mark an Honoraren für die Suche und Auswahl von Fach- und Führungskräften. Heidrick & Struggles rangiert seit der Fusion mit dem Frankfurter Beratungshaus Mülder & Partner im Jahre 1997 an der Spitze der Branche.

Steigerungsraten waren im Jahr 2000 enorm

Deutschland-Statthalter Christoph Netta meldete kürzlich ein großes Umsatzplus: Mit seinen rund 200 Mitarbeitern nahm Heidrick & Struggles im abgelaufenen Jahr Honorare in Höhe von 112 Millionen Mark ein. Das sind über 40 Prozent mehr als 1999. Rund 1 000 Suchaufträge wickelten die Headhunter ab, 50 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Erklärung für diese erstaunliche Leistung: Heidrick & Struggles hatte Ende 1999 eine ganze Reihe neuer Headhunter eingestellt. Die Verstärkung wirkte sich aber erst im Jahre 2000 auf den Umsatz aus.

Mit seinen enormen Steigerungsraten steht der Branchenprimus nicht alleine da. Auch andere Firmen berichten über ein zweistelliges Umsatzplus im abgelaufenen Jahr (>>Tabelle). Die Headhunter profitierten dabei vom dynamischen Strukturwandel in der deutschen Wirtschaft. Fusionen und Übernahmen, Allianzen und die Gründungswelle in der New Economy sorgten für eine starke Nachfrage nach Führungskräften und bescherten den Beratern prallvolle Auftragsbücher.

Die deutsche Niederlassung des US-Konzerns TMP Worldwide will den Umsatz im vergangenen Jahr sogar mehr als verdoppelt haben. Hier ist allerdings zu berücksichtigen, dass TMP eine ungewöhnlich breite Dienstleistungspalette aufweist: vom Geschäft mit Branchenbüchern und Marketing bis hin zum Headhunting und Internet-Recruiting. Mit seinem Portal „Monster.com“ zählt TMP zu den Größten der Branche.

Headhunter sind vorsichtig optimistisch

Nach Angaben der in Frankfurt am Main ansässigen Vereinigung Deutscher Executive Search Berater (VDESB) sollen in den von TMP Worldwide gemeldeten Zahlen jedoch keine Honorare enthalten sein, welche die Firma mit anzeigengestützter Personalsuche oder anderen Dienstleistungen erzielt. Nicht in der Tabelle berücksichtigt wurde die Firma Kienbaum Executive Consultants. Das Gummersbacher Unternehmen meldet für das Jahr 2000 einen um rund 28 Prozent gestiegenen Honorarumsatz in Höhe von 127 Millionen Mark. Nach übereinstimmenden Berichten von Insidern entfällt der überwiegende Teil dieser Summe nicht auf die Direktsuche, sondern auf das anzeigengestützte Geschäft.

Die Aussichten für das laufende Jahr schätzen die meisten Headhunter vorsichtig aber dennoch optimistisch ein. Das vergangene Jahr sei ein „Ausnahmejahr“ gewesen, sagt der Frankfurter Consultant Thomas Deininger, der zugleich Vorsitzender der VDESB ist. Er erwartet sinkende Zuwachsraten, aber kein stagnierendes oder gar rückläufiges Geschäft. Diese Aussage gilt jedoch nur für das Topsegment der Branche. Grund: Hochkarätige Manager sind weiter stark gefragt, und sie lassen sich nahezu ausschließlich im Wege der Direktansprache finden.

E-Business-Thema verlagert sich in die Old Economy

Mit weiter steigenden Umsätzen rechnen auch jene Headhunter, die sich auf zukunftsträchtige Segmente des Personalmarkts spezialisiert haben, etwa auf Manager für die Biotechbranche oder auf Management Consultants. Letztere sind nicht nur in den Beratungsfirmen gefragt, sondern zunehmend auch in den Konzernen der Old Economy. Dort arbeiten sie im Topmanagement und als interne Unternehmensberater oder sie helfen als Projektmanager mit, die Konzerne sukzessive aufs Internet auszurichten. Headhunter wie Joachim Strüven, Leiter der Praxisgruppe Professional Services bei Heidrick & Struggles in Berlin, spricht in diesem Zusammenhang von einer „Verlagerung des E-Business-Themas“ von der Startup-Szene in die traditionellen Unternehmen.

Von deutlich niedrigeren Zuwachsraten im ersten Quartal des laufenden Jahres berichtet der Bundesverband Deutscher Unternehmensberater. Den Grund für die abflauende Nachfrage bei den Personalberatern sieht der Vizepräsident des Verbands, Joachim Staude, im Kurssturz am Frankfurter Neuen Markt sowie in der nachlassenden Dynamik der Technologiebranche. Hier wird deutlich, dass sich in dem Bonner Verband hauptsächlich jene Berater zusammengeschlossen haben, die Mittelmanager oder qualifizierte Fachkräfte suchen.

Der Druck zur Internationalisierung steigt

In diesem Marktsegment herrscht trotz der starken Nachfrage nach Beratungsleistungen seit Jahren ein hoher Konsolidierungsdruck. Die Unternehmen des Verbandes klagen auch über einen steigenden Druck zur Internationalisierung, von dem gerade die Großen der Branche, etwa Heidrick & Struggles, profitieren. Die national operierenden Headhunter versprechen sich eine Lösung ihrer Probleme durch den Aufbau von Netzwerken mit ausländischen Partnern.

Das Urteil des Oberlandesgerichts Stuttgart, wonach Headhunter Manager nicht an ihrem Arbeitsplatz anrufen dürfen, hat keine Auswirkungen auf die Umsätze der Branche, heißt es aus den Reihen der VDESB-Mitglieder. Dennoch werde der Verband das Urteil nicht einfach hinnehmen, so Deininger. Wie er im einzelnen dagegen vorgehen werde, wollte der Headhunter jedoch nicht verraten. Es ist zu vermuten, dass die meisten Consultants weiter machen wie bisher: Sie ignorieren den Stuttgarter Richterspruch und hoffen, nicht erwischt zu werden.

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