Die FH Aachen untersucht Vorurteile gegen Coaching
Auch Führungskräfte brauchen Beratung

Missverständnisse gehören zum Alltag bei Bernd Pietschmann, Professor an der Fachhochschule Aachen. Der Personalexperte hat sich auf die Ausbildung von Studenten spezialisiert, die später Führungsaufgaben übernehmen sollen, und bringt ihnen vor allem Coaching bei. „Viele denken gleich, dass es sich dabei um eine Therapie handelt – und liegen damit völlig falsch“, sagt Pietschmann.

HB AACHEN.Beim Coaching geht es nach Meinung des Professors zwar auch um das persönliche Umfeld, da dieses oftmals berufliche Entscheidungen beeinflusst. „Im Unterschied zu einem Psychologen gibt der Coach aber nur Hilfe zur Selbsthilfe und liefert keine Lösungswege“, sagt Pietschmann.

Wenn beispielsweise eine Füh-rungskraft sich mit seinen Mitarbeitern nicht verständigen kann oder innerhalb des Managements ständig auf Widerstand stößt, muss der Coach die Gründe für das Problem offen legen, der Betroffene aber selbst Auswege finden. „Erst wenn das nicht gelingt und die Selbststeuerungskompetenz bei dem Betroffenen nicht mehr gegeben ist, ist der Gang zum Arzt oder Psychologen unumgänglich“, sagt Pietschmann.

Um diese Missverständnisse aufzuklären, hat der Professor zusammen mit Mitarbeitern und Studenten gut 200 Personalmanager aus der Wirtschaft befragt. Diese sollten erklären, ob und in wieweit sie Coaching einsetzen und wie sie dieses definieren.

Dabei zeigte sich, dass zwar viele Konzerne Coaching als ein Mittel der Mitarbeiterbetreuung verstehen, dieses aber oftmals sehr unterschiedlich definieren. „Ein einheitliches Vorgehen ist kaum zu erkennen“, sagt der Professor. In einzelnen Unternehmen werde unter Coaching nur die Förderung von Führungskräften verstanden. Eigentlich gehe es aber um mehr. „Dem oberen Management fehlt es an Gesprächspartnern. Der offene Austausch mit Kollegen oder Vorgesetzten fällt hier oft sehr schwer. Für viele Menschen ist das eine echte Belastung“, sagt Pietschmann. Diese Lücke kann nur ein Coach füllen.

Seine Studenten können daher das Coaching-Handwerk ganz gezielt erlernen. Sie versuchen beispielsweise, in Rollenspielen Konflikte aufzudecken und richtig mit den Klienten zu kommunizieren. Die 16 besten Stundeten jedes Jahrgangs fahren dann auf eine Ritterburg in der Eifel, um ihre Fähigkeiten weiter auszubauen.

Damit können sie später nicht nur selbst als Führungskräfte agieren, sondern sich nach dem Studium auch leicht selbstständig machen. „Vor allem im oberen Management kann Coaching nur von Externen übernommen werden“, sagt Pietschmann. Denn sonst würden einige Mitarbeiter zu viel über ihre Chefs erfahren und somit zu so genannten grauen Eminenzen aufsteigen.

Die 1971 gegründete Fachhochschule Aachen zählt mit über 8 000 Studierenden und rund 220 Professoren an den beiden Standorten Aachen und Jülich zu den größten Fachhochschulen Deutschlands. Neben einem breiten Spektrum an Ingenieurwissenschaften umfasst das Studienangebot auch Design und Wirtschaftswissenschaften.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%