Die Flächenvorteile werden im Großraumbüro oft um ein Vielfaches aufgehoben – durch Leistungsminderung
Der unterschätzte Faktor Mensch

Junge Führungskräfte hassen Großraumbüros. Auch Experten beurteilen die einst bejubelten Räume als Sanierungsfall.

Eigentlich haben die Planer bei Siemens bei der Neuorganisation der Großraumbüros am Standort Stuttgart an alles gedacht: Weil viele Vertriebsmitarbeiter nur einen Bruchteil ihrer Arbeitszeit tatsächlich am Schreibtisch verbringen, haben sie im neuen „flexible office“ keinen festen Arbeitsplatz mehr, sondern schieben ihren Rollcontainer zu einem Tisch, den sie zugewiesen bekommen, wenn sie ins Haus kommen. Das spart Kosten, weil weniger Fläche vorgehalten werden muss, und fördert die Kommunikation. Keine verschlossenen Türen, hinter denen sich Vorgesetzte verschanzen, kein Abteilungsdünkel – sogar einen Meeting Point für den gemeinsamen Kaffee nebst Büroklatsch gibt es.

Doch die schöne neue Bürowelt hatte zunächst so ihre Tücken. Die Lüftung machte Probleme, erzählt der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende des Siemens-Standorts Stuttgart Egon Thoma, und der lebendige Meetingpoint sorgte für mehr Leben in der Bude, als denen, die gerade arbeiten wollten, lieb war. Als Abluft und Schallschutz nachgebessert worden waren und die ersten wichtigen Besucher ins Haus kamen, wurde ein weiteres Problem deutlich: Lieferanten reagierten verstimmt, wenn sie den Konkurrenten ein paar Meter weiter verhandeln sahen. Und in der Belegschaft bekam jeder haarklein mit, wann wer zum Chef zitiert wurde.

„Lautstärke und der Mangel an Privatsphäre sind die wesentlichsten Probleme bei allen Großraumbüros“, erklärt Jens Hofmann vom Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation. Wer weiter im Inneren des Raumes sitzt, dem bleibt oft die Luft weg, während die Kolleginnen und Kollegen nah der Klimaanlage der kalte Wind im Rücken zwickt. „Eine Kollegin von uns war wegen der Position ihres Schreibtisches laufend erkältet“, erklärt die Mitarbeiterin eines niedersächsischen Medienunternehmens. „Erst als sich umgesetzt wurde, ging es ihr besser. Dann war die neue Kollegin dran, die dort sitzen musste.“

Derartige Probleme entstehen bei anderen Bürolösungen gar nicht erst. Wegen der ungleichen Qualität der Arbeitsplätze sorgt oft schon die Frage, wer näher am Fenster sitzen darf und wenigstens ab und zu ohne Kunstlicht ist, für Streit.

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