Die konzernpolitische Männerwelt hält im Zweifel zusammen
Zu schön für den Erfolg

Wie patriarchalisch Unternehmen mit Karrierefrauen umgehen, belegt eine Exklusiv-Umfrage.

Was ist für Karrierefrauen besser: Schön zu sein oder nicht? Beides ist falsch, karrieretechnisch gesehen. Denn insgesamt glauben über 60 Prozent der Top-Manager, dass Attraktivität einer Frau schadet. Entweder, weil ihr Aussehen Neid der Kollegen fördert (29,6 Prozent) oder weil ihre Attraktivität oft mit mangelnder Kompetenz gleichgesetzt wird (32,4 Prozent). Dass Schönheit bei Männern der Karriere abträglich sein könnte, bejahen insgesamt nur 19,7 Prozent, dagegen verneinen dies 80,3 Prozent der Top-Manager.

Headhunterin Barbara Hartmann skizziert das Dilemma: „Unattraktive Frauen sind aber auch nicht gewollt.“ Die Devise in den Unternehmen heißt: „Wenn wir schon eine Frau einstellen, dann nehmen wir doch keine Hässliche“, beobachtet die Münchnerin. Sie ist die Verantwortliche einer Exklusiv-Umfrage der Personalberatung Heidrick & Struggles (Nummer eins in Deutschland sowie weltweit, gemessen am Umsatz)für das Handelsblatt zum Thema Frauen im Job. Befragt wurden rund 200 Top-Manager quer durch alle Branchen ab 150 000 Euro Jahresgehalt aufwärts – also in erster Linie Männer als Entscheider.

Das Fazit der Umfrage bedeutet im Klartext: Frau kann aussehen wie sie will – es ist so oder so verkehrt. Und klar ist für Hartmann noch etwas: „Ab Kleidergröße 38 aufwärts haben es Frauen im Job sehr schwer.“ Ihre einzige Chance: „Bei Frauen zählt zur Attraktivität auch Charme. Wenn eine Frau auch lachen kann und Humor hat, steigert sie ihre Akzeptanz.“ Fest steht, schon beim Gewichten des Äußeren wird bei Frauen eine andere Messlatte als bei Männern angelegt. Bei Herren spielt das Aussehen eine geringere Rolle: 67,6 Prozent der Befragten fanden die Bedeutung der Attraktivität im Hinblick auf die Karriere bei Männern weniger hoch oder kaum relevant. Das mochten von den Befragten dagegen nur 46,5 Prozent den Damen bestätigen. Attraktivität bei Frauen im Job sahen 53,5 Prozent der Befragten als sehr bedeutsam beziehungsweise bedeutsam an. Hartmann: „Bei Männern ist es oft so, dass bei der Stellenbesetzung von zwei gleichwertigen Kandidaten der Attraktivere am Ende den Zuschlag bekommt.“

Wie brisant das Thema der immer noch viel zu geringen Frauen- Chef-Quote hier zu Lande ist und wie weit gerade die Deutschen hinter anderen Ländern zurück sind, zeigt der Vergleich: In den USA besetzen immerhin 46 Prozent der Führungspositionen Frauen, hier stellen dagegen nur elf Prozent der Frauen die Manager. Und dabei ist das Mittelmanagement sogar noch mit eingerechnet, resümiert Hartmann. So taucht in Deutschland in keinem einzigen Dax-Vorstand eine Frau auf. Gerade mal Christine Licci, Vorstandsvorsitzende der Citibank – aus USA – in Düsseldorf, sticht da noch hervor neuerdings und wurde deshalb auch prompt von der „Wirtschaftswoche“ zur Managerin des Jahres 2003 gekürt.

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