Dresscode
Was man(n) im Hochsommer im Büro anziehen kann

Die Zeiten sind schwer genug, das Arbeitsleben ist härter geworden, der Casual Friday abgeschafft, da kann man’s sich wenigstens mit der Mode leicht machen: Die wird hell und leicht. Mit diesen Anzügen stecken Sie die heißen Phasen eiskalt weg.

DÜSSELDORF. Alle Jahre wieder: Wenn das Thermometer steigt, sinkt die Anzugmoral, wenn Mann sich modemäßig Marsch-Erleichterung erlaubt. Die Sonne bringt es an den Tag: Da wird kombiniert, was nie zusammengehörte und nimmer zueinander passt: zerfranste Jeans zum verbeulten T-Shirt, verwaschenes Polohemd zur Anzughose, Wintersocken zu Sommer-Sandalen.

Wie gut man(n) aussehen kann, machen uns die Italiener vor, gerade wieder auf der Herrenmodemesse Pitti Uomo in Florenz. Hier wie dort gilt die Weisheit: Wer heute die Tendenzen von 2007 kennt, kauft jetzt schon den nächsten Trend. Am Arno sehen selbst bei knapp 40 Grad nicht nur die Models cool aus, sondern besser noch: der Mann auf der Straße. Der Italiener wandelt leichtfüßig zwischen Palästen und Straßencafés in angenehmen Fasermischungen aus Seide/Sommerwolle und/oder Baumwolle in sanften Sand- oder kühlen Aquatönen.

Er lässt im Sommer gern die Socken weg, aber so gut wie nie in geschlossenen Schuhen, es sei denn, sie sind aus geflochtenem Leder wie der Gürtel zur Leinenhose. Sandalen gehen auch, aber der Italiener trägt Markenschuhe, zwar mit weniger Leder, aber nie aus weniger hochwertigem. Die Luxusmarke Zegna empfiehlt zum cremefarbenen Anzug handschuhweiche Lederschluppen mit luftigem Lochmuster. Dazu: ein kühles Baumwoll-Hemd mit Kartoffeldruck-Muster in sauberem Blau-Weiß, Ton in Ton mit Batik-Krawatte – das wirkt nicht etwa folkloristisch, sondern schick mit Kick.

Überhaupt, das Hemd. Es ist – gerade im Sommer – das Teil, über das der Mann seinen Geschmack und seine Kreativität ausdrücken kann. Noch ein Geheimtipp – obwohl die Firma wie der Sohn Gianmarco gerade 30 Jahre alt wurden – ist das Haus Messori. Der junge Designer spielt nicht nur mit überraschenden Materialien, bei denen die Stoffstruktur das Muster vorgibt, sondern auch mit Kragenformen.

Hell, frisch, leicht sind auch die Qualitäten bei Canali, oft aus Wolle mit Seide. Man kann sicher sein, dass die Teile „made in Italy“ sind. „Keine geklebte Verarbeitung“, so rümpft Frank Usath die Nase über Mitbewerber, die wer weiß wo fertigen lassen. Die Canali-Hauptpreislage, die auch für andere Anbieter auf dem gehobenen Level unterhalb der Luxusklasse gilt, liegt um die 800 Euro.

Von Armani bis Zegna: Die schiere Weißheit beherrscht zurzeit die männliche Sommermode. Doch die Unfarbe will richtig kombiniert sein, damit der elegante Mann nicht aussieht wie ein Oberarzt. Der männliche Modemut dosiert sich dabei wie die Milch zum Kaffee. Besonders elegant: die Latte-Macchiato-Kombi: Sahneweiß (der Anzug) mit Mokkabraun (Hemd und Schuhe). Der Klassiker Kiton zeigt dazu hauchdünne Seiden-/Leinen-Pullover, durch die sonnengebräunte Männerhaut scheint.

Neu, lässig, allerdings etwas gewöhnungsbedürftig für Männer: die Ferragamo-Kombi eines beigefarbenen Twin-Sets unterm weißen, beige nadelgestreiften Baumwollanzug. Gute Nachrichten für Vielflieger ohne Waschfrau: Searsucker ist wieder da, jener praktische Stoff, der aussieht wie Knibbelfolie in Versandtaschen und der sich einfach in die Waschmaschine stopfen lässt. Den gab’s schon in den 70er-Jahren, damals allerdings eher in Pyjama-Streifen. Ferragamo bringt Searsucker in klassischen, gedeckten Anzugfarben, was die Stoffstruktur betont.

„Smart Travel“ ist auch das Motto beim Schweizer MännerModemacher Strellson. „Sexier von der Passform her“, erklärt Sprecherin Senka Stutz. Sakkos werden kürzer, was allerdings längere Trainingszeiten in der Mucki-Bude voraussetzt. Jeans? Ja, aber dunkel, kühl kombiniert mit weißem Hemd und silbernem Schlips. Mäntel dazu sind aus papierdünnem Nylon und lassen sich quasi in die Hosentasche stecken.

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