Ein Dr. vor dem Namen bringt höheres Gehalt
Wenn der Doktor-Titel gekauft ist

Ein Doktortitel macht sich bezahlt – gerade in der Wirtschaft.

wf DÜSSELDORF. Ganze 13 000 Euro verdient ein promovierter Abteilungsleiter im Schnitt pro Jahr mehr als ein vergleichbarer diplomierter Manager, so eine Kienbaum-Studie. Leider ist der Weg zu den begehrten zwei Buchstaben in Deutschland mühsam. Kein Wunder, dass einige Jungakademiker einen kurzen Prozess vorziehen. Der Markt hierfür ist vorhanden: Unter Überschriften wie „Promotionsberatung“ oder „Graduierten-Service“ bieten unzählige Doktortrainer ihre Dienstleistungen in Tageszeitungen oder im Internet an.

Die Überholspur zum Titel führt freilich oftmals in den Straßengraben. Die Wissenschaftsbehörden zeigen sich bei der Anerkennung von „Turbo-Promotionen“ pingelig. Auch bei der Zurückforderung von teuren Honoraren blicken Möchtegern-Doktoren meist in die Röhre.

Ganz schlechte Karten haben Hochschulabsolventen, die ihre Zusatzlorbeeren an ausländischen „Briefkasten-Universitäten“ erwerben wollen. Die für die Gestattung der Titelführung zuständigen Wissenschaftsverwaltungen der Länder kennen mittlerweile ihre Pappenheimer: Besteht das wissenschaftliche Personal einer ausländischen Alma Mater im Wesentlichen aus einer Schreibkraft in einem deutschen Hinterhofbüro, so nützt auch die schönste Urkunde nichts. Das Abschlusszertifikat einer maßgeblich im Inland betriebenen „University of Louisiana“ wurde vom rheinland-pfälzischen Bildungsministerium als Luftnummer entlarvt. Die Richter des Verwaltungsgerichts Koblenz sahen es genauso (Az.: 7 K 410/00).

Auch Promotionsabschlüsse anerkannter ausländischer Hochschulen helfen nicht immer weiter. Ein Anwalt aus Südhessen fertigte für die juristische Fakultät der „Universidad Catolica de Cuenca“ in Ecuador eine rechtshistorische Dissertation an. Anschließend absolvierte er eine mündliche Prüfung. „Dr. jur.“ durfte er sich hier zu Lande jedoch ebenso wenig nennen wie „Doctor en Jurisprudencia (Ecuador)“. Grund: Die Kultusbehörde hatte herausgefunden, dass es an der betreffenden Uni keinen Lehrstuhl für Rechtsvergleichung oder Rechtsgeschichte gab.

Die Richter des hessischen Verwaltungsgerichtshofs folgten dem ministeriellen Verdikt. Da die Prüfer in Ecuador mangels eigener Sachkenntnisse noch nicht einmal die Zitate auf ihre Stimmigkeit hätten überprüfen können, dürfe kein Doktorgrad verwendet werden (Az.: 8 UE 1136/96).

Wer wenig Zeit, aber viel Geld in investiert, sieht das im Zweifel auch nicht wieder. Ein Betriebswirt, der 20 000 Euro für einen gefälschten US-Doktorgrad ausgegeben hatte, musste dem Geld auf immer Lebwohl sagen. Der Betrogene, so das Oberlandesgericht Koblenz, habe wegen seiner beruflichen Belastung offenkundig keinerlei wissenschaftliche Recherchen betreiben können; der „Betreuungsvertrag“ sei somit sittenwidrig und nichtig. Da beide Seiten die Anstößigkeit gekannt hätten, sei eine Rückforderung des Honorars ausgeschlossen, lautete das Urteil (Az.: 7 U 124/98).

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