"Eva" hält Einzug in den großen Konzernen
Neues Bonusmodell für VW-Topmanagement

Europas größter Autokonzern Volkswagen macht einen Teil der variablen Vergütung seines Spitzenmanagements vom Erfolg seiner Investitionsentscheidungen abhängig. Von dem auch bereits in anderen großen Unternehmen eingesetzten Modell erhofft sich der Konzern weitere Einsparungen.

Reuters HAMBURG. Bis zu 40 % des jährlichen Bonus der Manager sind den Angaben von Konzernsprecher Dirk-Große Leege zufolge bereits im laufenden Jahr davon abhängig, ob der Konzern seine Kapitalkosten erwirtschaftet. „Wir haben dieses System eingeführt, damit Investitionsentscheidungen vorsichtiger getroffen werden“, sagte Große-Leege am Montag auf Anfrage in Wolfsburg. Es geht also darum, dass Unternehmensressourcen nicht vergeudet werden. Manager, in erster Linie in Forschung und Entwicklung, sollen bei der anhaltenden Modelloffensive von Volkswagen vorsichtiger investieren. Gleichzeitig soll dadurch die von VW-Chef Bernd Pischetsrieder eingeführte Konzernstruktur unterstützt werden, in der den Marken zwar mehr globale Verantwortung für den Vertrieb übertragen wurde, sie aber beim Ergebnis nicht mehr in Konkurrenz zu einander treten sollen.

"Eva" soll Volkswagen sparen helfen

„Beim Ergebnis zählt für alle Führungskräfte der Erfolg des Konzerns“, sagte Große-Leege. Das Bonussystem basiert auf der von der Unternehmensberatung Stern Stewart & Co entwickelten Steuerungsgröße Eva (Economic Value Added). Ziel des Systems ist laut VW, ein operatives Ergebnis nach Steuern zu erwirtschaften, das mindestens die Kosten des eingesetzten Kapitals abdeckt. EVA misst dazu den Unterschied zwischen Kapitalkosten und dem erzielten Ergebnis.“Eva hilft in Zeiten, in denen gespart werden muss, dass an den richtigen Stellen investiert wird“, sagte Große-Leege.

Auch der Handelskonzern Metro arbeitet nach Angaben eines Sprechers bereits seit dem Jahr 2000 mit Bonusprogrammen auf Grundlage von Eva. Das Programm habe zur guten Entwicklung bei Metro beigetragen. Konkrete Zahlen zu Ersparnissen durch das Programm nannte er aber nicht. Auch bei dem Münchener Siemens-Konzern ist Eva als Messgröße schon seit 1998 in die variablen Gehaltsbestandteile einbezogen, sagte ein Sprecher. Davon betroffen seien nicht nur Vorstände, sondern auch Abteilungsleiter.

Volkswagen selbst will im laufenden Jahr nach früheren Angaben erneut eine Mrd. Euro an Kosten einsparen. Darüber hinaus sollen die Kapitalausgaben um 700 Mill. Euro sinken. Der Konzern hat bereits angekündigt, dass der operative Gewinn wegen hoher Kosten für neue Modelle, negativer Währungseffekte und der schwachen Automobilkonjunktur deutlich unter dem des Vorjahres liegen wird. Deshalb dürfte das Bonussystem bereits 2003 zu geringeren Bonuszahlungen an das Management führen.

Pischetsrieder hatte schon bei seinem Amtsantritt im April 2002 die bis dahin unter seinem Vorgänger Ferdinand Piech als Erfolgsmaßstab geltende Umsatzrendite durch die Kapitalrendite ersetzt, die sich an der Ertragskraft des investierten Kapitals orientiert. Als Ziel wurde eine Rendite von neun Prozent vorgegeben, die alle Unternehmensbereiche erreichen müssen. Im abgelaufenen Jahr belief sich die Kapitalrendite bei rückläufigem Ergebnis im Konzernbereich Automobile auf 7,4 Prozent, die Kapitalkosten lagen dagegen bei 7,7 Prozent. Dies entspricht nach Konzernberechnungen einer Wertvernichtung von 134 Mill. Euro.

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