EWE-Chef Brinker
„Unternehmen haben in Bildung manches versäumt“

EWE-Chef Werner Brinker engagiert sich seit Jahren in Schulen und Hochschulen. Im Interview mit dem Handelsblatt spricht er über ahnungslose Kritik von Unternehmern an Schulen, den Austausch mit Lehrern beim Bier und die Frage, wie sich die Wirtschaft in der Bildung einbringen kann.
  • 0

Handelsblatt: Herr Brinker, die Wirtschaft klagt seit Jahren darüber, dass die Schüler immer dümmer in die Ausbildung kämen. Schuld seien Politiker, Eltern oder Lehrer. Müssen Sie sich nicht mal an die eigene Nase fassen?

Werner Brinker: Da habe ich nichts dagegen. Wir haben natürlich gewisse Ansprüche, und an denen halten wir fest. Aber ich denke, es liegt nicht daran, dass wir zu hohe Anforderungen stellen. Dazu ein Beispiel aus unserem Unternehmen. Beim Energieversorger EWE haben wir rund 300 Auszubildende. Wir führen seit Jahren dieselben Einstellungstests durch, und die Ergebnisse werden immer schlechter: Besonders in Mathematik und Rechtschreibung. Deutsch verkommt oft zu einer Comicsprache.

HB: Also sind doch wieder die anderen schuld, wenn es um die Ausbildungsmisere geht?

Brinker: Auch die Wirtschaft hat durchaus manches versäumt. Deshalb halte ich es für falsch, die Schuld für Versäumnisse allein auf Lehrer oder Eltern abzuwälzen. Ich denke, dass es für Unternehmen lohnenswert ist, sich in Schulen und Hochschulen zu engagieren.

HB: Können Sie das an einem Beispiel festmachen?

Brinker: Nehmen Sie die Bachelor-Ausbildung. Es sind hier sicherlich Defizite zu beklagen. Unternehmen können aber auch selbst dazu beitragen, sie zu beheben. Unternehmer können sich zum Beispiel in Hochschulräten engagieren und dort ihre Ideen einbringen. Sie können auch das Gespräch mit Lehrern suchen. Hier gilt es dann, konstruktive Fragen zu stellen und danach genau zu analysieren. Unsere Erfahrung zeigt: Wenn Lehrer ein derartiges Engagement wahrnehmen, sind sie auch offen für Ratschläge.

HB: Wie sieht das bei Ihnen persönlich aus?

Brinker: In Oldenburg, dem Sitz von EWE, haben wir bereits 1993 den Verein "Wirtschaft und Gymnasium" (WiGy) gegründet mit dem sogenannten WiGy-Forum. Dort könnten mehrmals im Jahr Schulen, Hochschulen und Firmen ins Gespräch kommen.

Seite 1:

„Unternehmen haben in Bildung manches versäumt“

Seite 2:

Kommentare zu " EWE-Chef Brinker: „Unternehmen haben in Bildung manches versäumt“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%