Experten warnen vor steigenden Kosten und Wettbewerbsnachteilen
Heutige Jobkrise überdeckt den künftigen Fachkräftemangel

Den deutschen Unternehmen geht ein wichtiger Rohstoff aus: die qualifizierte Fachkraft. „Die Bombe tickt, aber viele Unternehmen verkennen den Ernst der Lage, weil sie von der aktuellen Arbeitsmarktsituation überdeckt wird. Das ist gefährlich“, warnt Stephan Pfisterer vom IT-Branchenverband Bitkom.

cd/chp/jkn HB FRANKFURT/M. Von dem drohenden Engpass sind fast alle Branchen betroffen. „Wir werden in zehn, vielleicht 15 Jahren einen erheblichen Mangel an gut ausgebildeten Mitarbeitern haben“, beschreibt Susanne Krebs vom Verband VDMA die Situation der deutschen Maschinen- und Anlagenbauer. Warnende Stimmen gibt es auch aus dem Lager der Finanzdienstleister: „In den nächsten Jahren geht es los“, sagt Jörg MüllerStein, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands Versicherungswirtschaft. Dann würden Fachkräfte für die Versicherer wegen des fehlenden Nachwuchses knapp. „Dies“, so Müller-Stein, „wird alle treffen.“

Welch negative Folgen das haben könnte, zeigt die aktuelle Situation bei den Ingenieuren. Der Dachverband VDI schätzt, dass derzeit rund 15 000 Stellen offen sind. „Wir rechnen pro Ingenieurs-Arbeitsplatz im Schnitt mit etwa 2,3 weiteren Stellen, die nicht besetzt werden“, sagt VDI-Direktor Willi Fuchs. Nach seinen Angaben geht damit eine Kaufkraft von rund 2,8 Mrd. Euro verloren.

Die fehlenden Fachkräfte blockieren außerdem Investitionen in Deutschland. „Der Mangel an technischen Fachkräften etwa in einzelnen Regionen von Baden-Württemberg führt dazu, dass wir Investitionsvorhaben sehr genau prüfen“, macht Helmut Ruwisch, der Vorstandschef der börsennotierten Industrieholding Indus, deutlich.

Gleichzeitig kommen auf die Firmen höhere Kosten zu, denn schließlich bestimmt auch im Arbeitsmarkt die Nachfrage den Preis. „Die Knappheit wird die Preise für IT-Dienstleistungen deutlich steigen lassen“, warnt Rolf Stephan, Vorstand der NIIT Technologies AG, eine Tochter des indischen IT-Dienstleisters NIIT. „Gerade der Mittelstand wird das zu spüren bekommen, da die kommende kleine Elite deutscher IT-Fachkräfte sich bei der Wahl des Arbeitgebers an große Unternehmen halten wird.“

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