Familienfreundliche Personalpolitik nötig
Mit Geld allein ist es nicht getan

Mit dem Elterngeld will die Regierung mehr Akademikerinnen zu einer Babypause bewegen. Dass diese Rechnung nicht aufgeht, belegt jetzt die erste Studie zu dem Thema, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt: Nur jeder dritte Personalchef erwartet, dass mehr Mitarbeiter Elternzeit nehmen.

DÜSSELDORF. So richtig freuen kann sich über die Finanzspritze keiner. Und erst recht nicht die Akademiker: Obwohl es doch seit Januar bis zu 1 800 Euro Elterngeld im Monat für frisch gebackene Eltern gibt. So moniert Kathrin Rüter, Marketing-Chefin beim Reiseveranstalter Öger-Tours: „Was nützt es mir, wenn ich einen Teil meines Verdienstausfalls bekomme, ich später aber nicht weiß, wo ich das Kind lassen soll?“ Sie ist selbst seit kurzem im Mutterschutz und will in einem Jahr an ihren Schreibtisch zurückkehren. Bei der Kinderbetreuung helfen dann die Eltern. Für sie und ihren Mann war das Elterngeld kein Anreiz, ein Kind zu bekommen.

Dabei hatte die große Koalition das beabsichtigt: Mehr Akademikerinnen zu einer Babypause zu bewegen. Dass diese Rechnung nicht aufgeht, belegt jetzt die erste Studie zu dem Thema, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt: Zwar erwarten 30 Prozent der befragten Personalchefs, dass mehr Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Elternzeit gehen werden. Nur ob dies auch auf Akademiker zutrifft, beantwortet die Studie nicht. „Ich halte es für unwahrscheinlich, dass sich Akademikerinnen vom Elterngeld angesprochen fühlen“, meint Hans Böhm von der Deutschen Gesellschaft für Personalführung (DGFP), die die Studie durchgeführt hat.

Jedoch glaubt nur jeder Fünfte von 142 befragten Personalern, dass es künftig leichter wird, weibliche Fach- und Führungskräfte an das Unternehmen zu binden. „Managerinnen, die mit 70 000 Euro Jahresgehalt starten, benötigen kein Elterngeld“, urteilt Klaus Leciejewski, Geschäftsführer der Personalberatung KDL Consulting in Köln. „Sie brauchen ein vernünftiges Angebot von Kinderbetreuungsplätzen.“ Auch der Wunsch vieler Unternehmer, ihre Leistungsträger nach einer Babypause zügig ins Berufsleben zurückzuholen, scheint nicht aufzugehen: Nur 15 Prozent erwarten, dass Mütter schneller aus der Elternzeit zurückkehren. 78 Prozent bezweifeln, dass sie nach der Elternzeit von drei Jahren überhaupt noch zurückkehren.

Ob das Elterngeld zumindest hilft, einen Bewusstseinswandel herbeizuführen? „Zum ersten Mal wird das Thema ‚Väter und Kinder’ offiziell thematisiert“, urteilt Marcus Schmitz von IGS in Köln. Seine Beratungsfirma ist spezialisiert auf Personalfragen rund um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Dass künftig die Männer in Scharen in die Elternzeit gehen, erwartet Schmitz allerdings nicht. Laut DGFP-Studie meinen 19 Prozent der Personaler, dass Väter ihren Job für ein Baby unterbrechen werden. 27 Prozent gehen davon aus, dass sie es zumindest für zwei Monate tun.

Die Familienministerin Ursula von der Leyen will Eltern insgesamt 14 Monate Elterngeld gewähren, wenn auch der Vater sich zu zwei Baby-Monaten entschließen kann. „Für schwankende Väter kann das Elterngeld ausschlaggebend werden“, vermutet Schmitz.

Klar ist aber, dass zu einer familienfreundlichen Personalpolitik außer Geld auch Unterstützung bei der Kinderbetreuung, flexible Arbeitszeitmodelle und Telearbeit gehören. Der Softwarekonzern SAP hat obendrein Ferienprogramme für die Kinder und ein Eltern-Kind-Notfallbüro. In dieses Spielzimmer mit Betreuung können Mitarbeiter ihre Kinder in Ausnahmefällen mitbringen.

Auch die Ergo-Pharma-Beteiligungsgesellschaft bietet ihren 750 Mitarbeitern etwa 150 verschiedene Teilzeitmodelle an. „Selbst Führungskräfte haben ihre Arbeitszeit reduziert“, berichtet Francois Dugimont, Leiter des Personalwesens. Solange Teilzeitarbeit wirtschaftlich ist, versucht das Unternehmen, sie zu ermöglichen. Denn: „Wir brauchen einfach das Know-how unserer Mitarbeiter.“

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