Familienfreundlichkeit im Job
Die Kinder- und Karriere-Paare

Double Income with Kids - Karrierepaare mit Kindern engagieren sich im Job und brauchen zugleich Zeit für ihre Kinder. Für ihre Arbeitgeber aber ist Anwesenheit meist wichtiger als Leistung. 1  200 Karriere-Eltern geben Auskunft, wie sie den Spagat zwischen Beruf und Familie schaffen.

DÜSSELDORF. Da die gemeinsame Zeit knapp ist, kommt es für Familie Wortig auf jede Minute an. Jeden Morgen zwischen sechs und sieben Uhr kommen alle vier im elterlichen Ehebett zusammen. „Es gehört zu unseren Ritualen, dass wir morgens kuscheln und uns beim Frühstücken unterhalten“, erzählt Mutter Katja Kamphans. Den Rest des Tages geht jeder der Familie eigene Wege – denn Vater und Mutter machen Karriere.

Kamphans, Marketingleiterin beim Versicherungsmakler Marsh, fährt mit dem Auto in den Frankfurter Süden, der neunjährige Sohn geht in die Schule und Vater Christoph Wortig, ein Geschäftsführer der Deutschen Bank, bringt den Zweijährigen in die Kita. Abgeholt und betreut werden die Kinder dann von einer angestellten Kinderfrau – bis ein Elternteil abends um sieben Feierabend macht.

Allein die Kinderbetreuung kostet – die Wortigs etwa fast 2 000 Euro im Monat. Doch nicht nur die finanziellen Opfer der Karriereeltern sind enorm. Beide müssen ein Höchstmaß an Einsatzbereitschaft mitbringen und Meister im Zeitmanagement sein. Jeder Zweite wünscht sich eine bessere Balance zwischen Beruf und Familie.

Kamphans und Wortig gehören zu dem modernen Typus Paar, von denen beide gut ausgebildet sind, keiner auf eine Karriere verzichten will, für die Kinder aber auf jeden Fall dazugehören. Fakt ist: Mit ihrem Lebensmodell sind die Doppelkarrierepaare mit Kindern sehr zufrieden – obwohl sie dafür einen hohen Preis zahlen. Das zeigt eine Studie der Bertelsmann-Stiftung, in der fast 1 200 Frauen und Männer befragt wurden, die als Paar mit Kindern leben und von denen beide eine Fach- oder Führungsposition ausüben.

Gerade die Eltern mit Doppelkarriere sind auf das Entgegenkommen ihrer Arbeitgeber angewiesen – insbesondere vom unmittelbaren Vorgesetzten. Die Studie belegt: Sie müssen immer noch viel Eigeninitiative mitbringen. Obwohl Führungskräfte in vielen Branchen bereite heute heiß umkämpft sind, kümmern sich die meisten Unternehmen nicht um die speziellen Bedürfnisse dieser Karriere-Paare, so das ernüchternde Ergebnis der Studie. Dabei sagen die Paare unisono, dass es ihnen sehr hilft, wenn sie flexibel entscheiden können, wann, wie lange und wo sie arbeiten – solange sie ihre Ziele erreichen. Doch jeder Zweite macht die Erfahrung: Für künftige Karrierechancen ist ein hohes Maß an täglicher Anwesenheit entscheidend. Nur 36 Prozent der Befragten gewährt der Arbeitgeber eine individuelle Flexibilität.

Katja Kamphans hat das Glück, dass ihr Vorgesetzter ihr Freiräume einräumt. „Ich werde an meinen Ergebnissen gemessen und nicht nach meiner Anwesenheit bewertet“, sagt die Chefin von sechs Mitarbeiterinnen. „Wird ein Kind mal krank und ich muss um drei nach Hause, ist das kein Problem.“ Schließlich sei sie per Telefon und Blackberry erreichbar.

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