Familienpolitik von Unternehmen
Wegen Pampers in die Pampa versetzt

Etliche Firmen verbreiten gerne Propaganda-Lügen, wenn sie sich publikumswirksam als familienfreundlich präsentieren. Zwischen dem Bekenntnis zur Familienfreundlichkeit und der tatsächlichen Umsetzung familienfreundlicher Maßnahmen durch flexible Arbeitszeiten klaffen oft Welten.

FRANKFURT. "In diesem Moment platzten alle meine rosaroten Träume", erinnert sich Angelika Mühlner* an den Augenblick, als sie nach dem zweiten Erziehungsurlaub den Abfindungsvertrag bei der Commerzbank unterschrieb. Dabei war die Bankfachwirtin sogar im hausinternen Comeback-Programm und sollte bei der Wiedereingliederung nach der Geburt gefördert werden sollte. "'Kriegen Sie erstmal Ihr Kind', sagte man mir. Ich dachte, es gebe kein Problem. Jetzt weiß ich: Es war der Anfang vom Ende bei der Commerzbank."

Denn wer schließlich ihren Einsatz in der zweiten Elternzeit organisierte, war Mühlner selber. Und obgleich sie sich bereit erklärte, auch Angebote weit unter ihrem früheren Jahresgehalt von gut 60 000 Euro anzunehmen, gab es keine passende Teilzeitstelle für sie. "Ich war wohl zu blauäugig", meint sie rückblickend.





 Diskrete Kontaktaufnahme zu Headhuntern und Personalchefs, Jobs für Fach- und Führungskräfte: Melden Sie sich jetzt an!





"Das ist nicht die Regel, viele Eltern nehmen Elternzeit und kommen in Teilzeit wieder", erklärt Barbara David, bei der Commerzbank unter anderem zuständig für Chancengleichheit, auf Anfrage des Handelsblatts zu diesem Fall. Sie betont: "Wenn aber in einzelnen Bereichen umstrukturiert wird, sind sowohl Männer wie Frauen, Eltern wie Menschen ohne Kinder betroffen."

Doch die Berliner Arbeitsmarktforscherin Alexandra Wagner vergleicht: "Das ist ein Einzelfall, der durchaus Parallelen in anderen Unternehmen hat." Sie untersucht im Auftrag der Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen Unternehmen, die sich Familienfreundlichkeit auf die Fahnen schreiben.

"Zwischen dem Bekenntnis zur Familienfreundlichkeit und der tatsächlichen Umsetzung familienfreundlicher Maßnahmen durch flexible Arbeitszeiten klaffen oft Welten", beobachtet Hannelore Buls, Frauenreferentin der Gewerkschaft Verdi. "Verantwortlich für das Ende einer Karriere im Betrieb sind hauptsächlich die individuell nicht erfüllbaren Arbeitszeiten", urteilt das Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in einer Untersuchung zur Rückkehr von Eltern in den Job.

Ähnlich erging es Markus Nellinger (Name geändert). Der 35-jährige Vater von heute zwei Töchtern und Angestellter bei Bayer bräuchte gar nicht mehr wiederzukommen, bekam er von seinem Vorgesetzten zu hören, als er mitteilte, er wolle Elternzeit nehmen. Nellinger blieb trotzdem dabei: "Ich möchte die Zeit mit meinen Zwergen nicht missen, auch wenn ich damit meine Karriere bei Bayer riskiere." Nun will Nellinger nach fünf Jahren Elternzeit drei Tage pro Woche in die Bayer-Zentrale nach Leverkusen zurückkehren. "Geht nicht", lehnte die Personalabteilung ab. Wenn er nicht voll arbeiten wolle, könne er einen Aufhebungsvertrag unterschreiben.

Seite 1:

Wegen Pampers in die Pampa versetzt

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%