Fernab des Pisa-Frusts
Das geschmähte deutsche Studium boomt - anderswo

Während in Deutschland über die Bildungsmisere geklagt wird, entwickelt sich deutsche Hochschulstudium zum Exportschlager. In der arabischen Welt haben inzwischen drei Universitäten geöffnet, die das Wort „German“ im Namen tragen, eine vierte soll demnächst folgen. „Deutsch“ steht hier für „fleißig und professionell“.

HB KAIRO. Den Anfang machte die privat finanzierte German University Cairo (GUC), die in der Wüste vor den Toren der 17-Millionen-Stadt Kairo liegt. Es folgten eine mit Bundesmitteln geförderte Deutsch-Jordanische Universität bei Amman, die eng mit der Fachhochschule Magdeburg-Stendal kooperiert und, zuletzt die Wadi German-Syrian University in Syrien. Die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen (RWTH-Aachen) verhandelt mit Investoren im Sultanat Oman über die Eröffnung einer „Filiale“ der deutschen Hochschule in dem arabischen Land.

Im Fall der Kairoer Uni war es der Initiator des Projektes, Aschraf Mansur, der auf die deutsche Karte setzte. Er selbst hatte in Deutschland studiert. In Syrien war es eher ein Zufall, dass die in einem idyllischen Tal bei Homs gelegene Wadi-Universität deutschen und nicht französischen Lehrplänen folgt. Denn zuerst hatten die Initiatoren mit Franzosen verhandelt. Doch dann stellte Ölminister Ibrahim Haddad den Kontakt zwischen den privaten Investoren und einer Gruppe von deutschen und syrischen Professoren in Deutschland her. Die hatten sich zuvor für ein Hochschulprojekt mit dem syrischen Erziehungsministerium zusammengefunden, das nie realisiert wurde.

„Die Deutschen waren einfach schneller, von ihrem ersten Besuch bei uns bis zur Eröffnung sind nur zehn Monate vergangen“, erklärt Joseph Sallum, der in dem Tal, das zwischen den großen Provinzstädten Homs, Hama und Tartus liegt, zu denjenigen gehört, die etwas bewegen wollen. Die Wadi-Universität, an der unter anderem die Studiengänge Wirtschaftsinformatik und Architektur angeboten werden, ist ein ungewöhnliches Projekt. Denn den Initiatoren geht es nicht nur um Profit, sondern auch darum, Jugendlichen in ihrer Region Perspektiven zu bieten, und so die Abwanderung der Jugend zu verhindern.

Studenten aus der Region werden daher 25 Prozent der jährlichen Studiengebühr von rund 4200 Euro erlassen. Finanziert wird die Universität von 240 ortsansässigen Familien. Die Hochschule ist noch in einem Hotel untergebracht. Erst in zwei bis drei Jahren soll das Uni-Gebäude, das nur einen Kilometer von der libanesischen Grenze entfernt liegt, fertig sein. Dann hofft man auf 1400 Studenten. Derzeit sind es 150.

Unterrichtssprache an den „deutschen“ Universitäten in der arabischen Welt ist Englisch. Deutsch steht zwar auch auf dem Lehrplan, der sich an deutschen Curricula orientiert. Doch auch die deutschen Professoren, die hier unterrichten, tun dies in Englisch. „Manche junge Leute haben bis zum Abitur kaum Englisch gelernt, deshalb müssen sie in ihrem ersten Jahr an der Uni erst einmal intensiv die Sprache büffeln“, erklärt Jawdat Ibrahim, der die Wadi- Universität gemeinsam mit Claus Rautenstrauch, Professor für Wirtschaftsinformatik aus Magdeburg, leitet.

Im Unterrichtsraum eines der sechs kanadischen Sprachlehrer geht es locker zu. Syrische Studenten der Wadi-Universität diskutieren mit ihrem Dozenten darüber, wie man mit einem Kellner spricht. Es tun sich kulturelle Differenzen auf. Alle lachen. Beim gemeinsamen Abendessen im Hotel gelten im Umgang mit dem Kellner dann arabische Gepflogenheiten und die Lehrer können von den Studenten lernen.

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